Moritz Brückner fährt im Rollstuhl durch eine Gasse in Mindelheim
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Allgäu GmbH, Robin Schubert

Barrierefreier Ausflug nach Mindelheim

Moritz Brückner besucht auf seinem ganz persönlichen Abenteuer Allgäu die Städte der Region im Rollstuhl. In Mindelheim erkundet er die mittelalterliche Altstadt mit vielfältigen Museen und der ältesten geschnitzten Jesusfigur der Welt.

    Begrüßt wurden wir in dieser Allgäuer Stadt von einem Wolkenkratzer des Mittelalters – dem 7-stöckigen Wehrturm, dessen Tor, das sogenannte Untere Tor, uns Eintritt zur heutigen Altstadt gewährt: Mindelheim.

    Richtig idyllisch fahren wir an einer großen Kirche vorbei, über eine kleine Brücke Richtung Stadtmitte und ohne viel Suchen lacht uns schon der erste rollstuhlgerechte Parkplatz an. Was für ein Start!

    Wie in Memmingen auch wollten wir uns bei diesem Tagesausflug an unserer bewährten Lauschtour orientieren, die sogleich den Marienplatz als Startpunkt nannte. Und warum der Platz diesen Namen trägt, wurde sehr schnell klar. Auf diesem wunderschönen, altertümlichen Platz begegneten uns nicht eine, nicht zwei, sondern drei Abbildungen der Jungfrau Maria, die unmissverständlich klar machten, wer hier das Sagen hat.

    Um den Brunnen in der Mitte des Platzes leuchteten uns die Wandfarben der teils schön verzierten und elegant bemalten Häuser entgegen. Beim Umgucken fiel uns ein eiserner Edelmann ins Auge, nach dem das hier allerseits bekannte Frundsbergfest benannt wurde – dem Pendant zu den uns bekannten Wallensteinfestspielen in Memmingen.

    Moritz Brückner im Rollstuhl auf dem Marktplatz in Mindelheim
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    Allgäu GmbH, Robin Schubert

    Auf dem Marienplatz

    Eine Altstadt voller Museen

    Mittelalterlich eingestimmt ging es nun weiter durch kleine Gässchen, vorbei an Brunnen und zu einem Museum, was das national eher weniger bekannte Mindelheim für uns nochmal auf ein anderes Podest heben sollte. Hier am Schwäbischen Turmuhrenmuseum erfuhren wir, das:s

    • dieses Museum mal zum interessantesten Museum Deutschlands gewählt wurde.
    • hier das von einem Lehrer nebenbei gebaute zweitlängste Pendel der Welt ausgestellt wird.
    • hier noch irgendwo das älteste geschnitzte Jesuskind-Figürchen der Welt stehen müsste.

    Erfüllt von den Sensationen wollten wir uns natürlich sofort die Uhrensammlung des Mindelheimer Lehrers anschauen, die jedoch nur jeden Mittwoch und am letzten Sonntag im Monat die Tore öffnet. Vielleicht sollte der Lehrer hierfür mal noch eine eigene AG ins Leben rufen!

    Moritz Brückner im Rollstuhl in einem Museum in Mindelheim
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    Allgäu GmbH, Robin Schubert

    Vier der Mindelheimer Museen sind im ehemaligen Jesuitenkolleg untergebracht.

    Das älteste Christuskind der Welt im Museum
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    Zwei, drei Hausecken später brauchte ich zum ersten Mal auf dieser Tour die Hilfe meines Kollegens bei der Überquerung eines kleinen steileren Stückes vor einer Holzbrücke. Notfalls kann man diesen Teil aber auch gut umfahren.

    Um unsere beim letzten Museum aufgestaute Wissbegierde zu erfüllen, hatten wir bei den Mindelheimer Museen gleich die Chance, uns vier verschiedene Ausstellungen anzugucken. Zwischen Textilmuseum, Südschwäbischem Archäologiemuseum, der Carl-Millner-Galerie und dem Schwäbischen Krippenmuseum war für uns nach oben erhaltenen Erkenntnissen schnell klar, wo unser Fokus liegt. Mit 5 € standen uns zwar alle Türen offen, wobei wir aber vor allem die Jesusfigur sehen wollten!

    Nach hunderten kleinen, großen, alten, jungen, hübschen und kunstvoll gestalteten Figürchen aller Art, haben wir dann auch endlich das kleine Jesulein aus dem Jahr um 1300 gesehen. Dass eine Holzfigur circa 725 Jahren so gut überstehen kann, erstaunt mich bis heute noch – zumal mein Handy nach einem Jahr schon, sagen wir, mal Gebrauchsspuren aufzeigt …

    Rathaus in Mindelheim
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    Mindelheimer Rathaus

    Der Silvesterturm im Mindelheim
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    Silvesterturm

    Gut zu befahrendes Kopfsteinpflaster

    Um das schöne Wetter im Freien nicht weiter zu vernachlässigen, ging es nun weiter entlang der Stadtmauer Richtung Gefängnisturm. Und auch hier, wie auf manch anderen Wegen, fährt man auf eng gelegtem Pflasterstein. Klar ist das auch ab und zu anstrengender zu befahren. Aber 95 % des Weges waren wirklich sehr gut zu befahren und ich glaube, um sowas kommen wir Rollstuhlfahrer nicht herum, wenn wir Altstädte aus dem Mittelalter bewundern wollen. Der Gefängnisturm, umringt von Asphalt, würde ja so auch seine Wirkung verlieren. Den Kompromiss von Altstadtflair und Barrierefreiheit durfte ich tatsächlich in Kempten und Immenstadt erleben.

    Zum Abschluss dieser Tour, vorbei am Gefängnisturm und dem größten Narren der Welt (was auch sonst) ging unsere Lauschtour – aber auch unser Ausflug – langsam dem Ende entgegen. Aus den geplanten 45 Minuten hatten wir natürlich wieder drei Stunden gemacht und ließen diesen Tag am Restaurant Weberhaus bei zwei Radlern ausklingen. Es war ein weiterer Tag geprägt von viel Geschichte, interessanten Fakten und wunderschönen Bildern des Allgäus. Und ich für mich muss zugeben, dass mich Mindelheim mit seinem Angebot sehr positiv überrascht hat.

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