Moritz Brückner im Rollstuhl vor dem Rathaus in Kempten
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Allgäu GmbH, Robin Schubert

Barrierefreier Ausflug nach Kempten

Moritz Brückner besucht auf seinem ganz persönlichen Abenteuer Allgäu die Städte der Region im Rollstuhl. In Kempten entdeckt er beeindruckende Sehenswürdigkeiten, einen Kompromiss aus charmantem Kopfsteinpflaster und guter Befahrbarkeit sowie ein barrierefreies Hotel.

    Mit einem Alpenpanorama aus dem Bilderbuch vor der Nase, machten wir uns auf den Weg die A7 hinunter nach Kempten, zur ältesten schriftlich erwähnten Stadt Deutschlands. Und ich nehme vielleicht jetzt schon mal etwas vorweg, aber in Sachen Rollstuhlfreundlichkeit ist diese Stadt trotz ihrer 2000 Jahre alten Historie ein sehr modernes Vorbild. Das haben wir schon direkt bei der Suche nach einem Parkplatz am Hildegardplatz gemerkt, der uns mit seinem Angebot von rund sieben verteilten Rollstuhlparkmöglichkeiten absolut überraschte.

    Nachdem wir nach großem Staunen und einigen Bildern später den majestätischen Anblick der Basilika St. Lorenz verdaut hatten, wandten wir uns aber erstmal der Residenz davor zu. Bei einer ungefähr 30-minütigen kleinen Führung erfuhren wir einiges über die Geschichte der ursprünglich mal zwei Städte und bekamen einen Einblick in den Wohlstand der Stiftsstadt von damals.

    Natürlich widmeten wir uns hiernach sofort dem visuellen Highlight des Platzes – der Basilika. Beim ersten Blick hatte ich hier tatsächlich Sorge, dass mir ihr Inneres leider verborgen bleiben muss, weil die knapp 40 Treppenstufen dann doch ein ordentliches Hindernis darstellen. Bis uns der kleine, leicht versteckte barrierefreie Seiteneingang neben der Residenz auffiel. Über einen Aufzug ging es direkt mitten rein! Und wir wurden nicht enttäuscht.

    Moritz Brückner im Rollstuhl im Stadtpark Kempten
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    Allgäu GmbH, Robin Schubert

    Im Stadtpark auf dem Weg zur Basilika

    Moritz Brückner im Rollstuhl in der Fußgängerzone in Kempten
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    Allgäu GmbH, Robin Schubert

    Oben an der Klostersteige, einer der Steigungen in der Altstadt

    Zwei historische Städte und ein barrierefreies Hotel

    Unsere Lauschtour durch die Stadt gingen wir dieses Mal etwas anders an als die letzten Male, denn die Stiftsstadt und die Reichsstadt verbindet eine ordentliche Steigung, die ich am liebsten von oben nach unten befahre, weshalb wir die einzelnen Ereignisse schon fast rückwärts angingen. Auf der Hälfte dieser digitalen Stadtführung machten wir erstmal für diesen Tag Schluss, gingen noch schön Essen und übernachteten in dem für mich bis jetzt barrierefreisten Hotel, in dem ich je genächtigt habe.

    Das ART Hotel hatte neben verstellbaren Betten, selbst öffnenden Türen und einem riesigen Bad auch Brailleschrift auf Karten und Leitstreifen auf dem Boden für blinde Menschen. Und nach einer sehr guten Nacht, einem leckeren Frühstück und einer letzten Begehung des Wellnessbereichs und des Snoezelenraums, setzten wir unsere Tour vom Vortag fort!

    Ein kleiner Tipp vielleicht noch: Bis zum Hotel sind es nochmal ein paar Höhenmeter! Fahr lieber mit dem Auto .

    Moritz Brückner im Rollstuhl nachts vor der erleuchteten Basilika in Kempten
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    Die Basilika bei Nacht

    Moritz Brückner im Rollstuhl in der Sauna im Allgäu ART Hotel in Kempten
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    Die Sauna im ART Hotel

    Gute Wege und historischer Charme

    Beim zweiten Teil der Lauschtour gabs einige Infos und Sehenswürdigkeiten zur Reichsstadt. Und hier beim Begutachten des Rathaus ist mir eine Sache aufgefallen, die perfekte Lösung für die gute Befahrbarkeit von Altstädten, denn Pflastersteine ergeben im Alltag einfach einen schönen, altertümlichen Look – das Ganze ist nur als Rollstuhlfahrer schwerer zu befahren. Da wäre Teer wesentlich angenehmer – sieht halt nur nicht schön aus. Kempten vereint beides.

    Auf dem Rathausplatz, dem Hildegardplatz und dem St. Mang-Platz findet man einen sehr passend mit dem Pflasterstein abgestimmten Weg, der so flach ist, dass er für Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühle perfekt zu befahren ist. Diese Extrawege, die fast schon zum Ambiente und Flair der jeweiligen Lokalität beitragen, sind verbunden mit einer abgeschliffenen Version der umliegenden Pflastersteinstraße. Man erkennt sie manchmal erst beim zweiten Blick so wirklich. Super zu befahren und quasi nicht sichtbar für das ungeübte Auge.

    Mit dieser Wege-Kombination, den haptischen Tastexemplaren an verschiedenen Plätzen für Menschen mit Seheinschränkungen, den tollen Parkmöglichkeiten und vielem mehr ist Kempten somit für mich ein großes Vorbild für die Barrierefreiheit in Städten. Ich hatte hierdurch die Möglichkeit, die Stadt, ihre Geschichte und ihre Gebäude zu sehen und zu erleben – und das auf Rädern!

    Moritz Brückner im Rollstuhl vor der Kirche St. Mang in Kempten
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    Auf dem St. Mang-Platz vor der gleichnamigen Kirche

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