Barrierefreier Ausflug nach Memmingen
Moritz Brückner besucht auf seinem ganz persönlichen Abenteuer Allgäu die Städte der Region im Rollstuhl. In Memmingen entdeckt er die Altstadt und all ihre Sehenswürdigkeiten mit der Lauschtour-App.

Allgäu GmbH, Robin Schubert
Moritz Brückner besucht auf seinem ganz persönlichen Abenteuer Allgäu die Städte der Region im Rollstuhl. In Memmingen entdeckt er die Altstadt und all ihre Sehenswürdigkeiten mit der Lauschtour-App.
Memmingen liegt direkt vor meiner Haustüre. In der Stadt habe ich Jahre, wenn nicht sogar ein Jahrzehnt verbracht und bin zur Schule gegangen. Da könnte man ja theoretisch davon ausgehen, dass man schon alles zu dieser Stadt, seinen Wahrzeichen und den schönen Fleckchen kennt. Tja – zum Glück falsch gedacht. Und das sollte ich auch schnell herausfinden.
Bevor es aber wirklich zum Sightseeing geht, mussten wir uns noch richtig vorbereiten. Und das geht nirgends besser, als direkt am Marktplatz im Kreuzherrenkaffee. Mit dem Behindertenparkplatz direkt vorm Eingang, einem barrierefreien WC und einem ebenen Zugang war das der perfekte Startpunkt.
Das Cafe, das seinen Ursprung im 13. Jahrhundert hat, hat sehr schöne hohe, gewölbte Kreuzbögen und ist schon deshalb ein Hingucker. Da muss man echt aufpassen, dass einem der Kuchen nicht von der Gabel fällt vor lauter Umschauen.
Wer als Rollstuhlfahrer Schwierigkeiten bei der Parkplatzsuche hat, sollte zum Lindauer Tor fahren. Hier findet man 3 Parkplätze, die mit entsprechendem Ausweis so gut wie immer frei sind. Und das fast direkt beim Marktplatz, auf dem, der Straße folgend, nochmal 2 Parkplätze zu finden sind.

Allgäu GmbH, Robin Schubert
Die Memminger Altstadt ist von Bächen durchzogen.

Allgäu GmbH, Robin Schubert
Mit der Lauschtour-App hast du im Memmingen deinen Audioguide direkt dabei.
Frisch gestärkt ging es also 20 Meter weiter zum Marktplatz, zum Start der Lauschtour. Ihr wisst nicht, was das ist? Na, dann wird’s aber Zeit! Wir wussten es auch nicht, aber es hat uns sehr gut gefallen. Es ist eine App, in der man zu dutzenden Städten vorgefertigte, vertonte und liebevoll gemachte Stadttouren finden kann. Kein Anmelden. Keine Kosten. Und auch offline, wenn man sich die paar Megabyte herunterlädt. Durch das optionale GPS-Tracking kann man sich also einen Kopfhörer ins Ohr stecken und der freundlichen Stimme folgen. Sobald man nun an etwas Relevantem vorbei läuft, wird man durch einen kleinen Glockenton aufmerksam gemacht und erfährt so, mit den Augen weg vom Bildschirm, das Wichtigste zur Stadt. Für mich das absolute Highlight war die Mühe, die sich gemacht wurde, um diese Touren so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Es gibt eine 2. Tonspur in Leichter Sprache, einen Audiotext für hörbeeinträchtigte Menschen und eine grobe Wegbeschaffenheitsbeschreibung für alle mobilitätseingeschränkten Personen.
Wir starteten am Marktplatz und haben uns im 360°-Blick die wichtigsten Gebäude des Marktplatzes angeschaut. Egal ob Rathaus, Steuerhaus oder Großzunft – wir bekamen recht schnell einen ziemlich deutlichen Eindruck, wie hier alles vor Hunderten von Jahren ausgesehen haben muss.

Allgäu GmbH, Robin Schubert
Das Memminger Rathaus
Das Schöne an dieser Art des Städte-Kennenlernens ist, dass man sich sein eigenes Tempo setzen kann. Das war vermutlich auch der Grund für unsere zwei Zwischenstopps während der Tour. Die erste Pause legten wir oberhalb eines kleinen Berges bei Joesepp's Brauhaus, wo wir als „Belohnung“ für die Strapazen zwei Bierprobier-Stöfchen bestellten. Diese drei Mini-Biere waren die perfekte Erfrischung an diesem heißen Tag. Und nebenbei findet man hier die nächste barrierefreie Toilette.
Zum Kaffee und Kuchen kann ich als zweiten Stopp einen kleinen Geheimtipp preisgeben. Wenn man beim Memminger Freiheitsbrunnen der Fußgängerzone für 40 Meter folgt und dann links abbiegt, findet man das Café Ammann. Wer zu seinem Heißgetränk gerne eine Praline genießen möchte oder der Familie ein kleines Memminger Mitbringsel organisieren möchte, kommt hier auf seine/ihre Kosten.
Somit haben wir die angedachte einstündige Tour auf knapp vier sehr erholsame Stunden gestreckt und konnten so das Venedig des Allgäus nochmal anders kennenlernen. Die Stadt, die ich seit meiner Kindheit um mich hatte, hat sich mir nochmal von einer ganz neuen Seite gezeigt.

Allgäu GmbH, Robin Schubert
An den Bächen lassen sich lauschige Pausen einlegen.