Moos und Flechten auf einem Stein im Vordergrund, im Hintergrund das Bärgündletal
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Allgäu GmbH, Erika Dürr

Allgäuer Naturräume

Das Allgäu ist mehr als eine Postkartenidylle. Es ist ein Mosaik aus Lebensräumen, die in Europa selten geworden sind. Wer hier draußen aktiv ist oder einfach nur tief durchatmet, spürt die pulsierende Lebenskraft unserer Heimat. Wir laden dich ein, tiefer in unsere Naturschätze einzutauchen – und dabei zu verstehen, warum ihr Schutz die wichtigste Investition in unsere Zukunft ist.

    Das Voralpenland mit seinen sanften Wellen ist das Herzstück unserer Region. Es lädt zu langen Radtouren und Wanderungen ein, bei denen der Blick weit über das Land schweifen kann. Die Allgäuer Alpen begeistern mit ihrem Panorama aus der Ferne oder auch ganz nah und eindrücklich im alpinen Raum. Hier stellen wir dir die Naturräume vor, die das Allgäu ausmachen, und geben Tipps, wie du sie erleben kannst.

    Unsere Naturschätze erleben

    Blick über Schilf auf den türkis-schimmernden Alpsee mit Steg.
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    Christian Greither, Tourismusverband Ostallgäu e. V.

    Kristallklare Vitalität: Allgäuer Seen und Flüsse

    Die letzte Eiszeit hat die Allgäuer Landschaft geformt und uns dabei viele natürliche Seen hinterlassen. Vom wilden Lech – einem der letzten naturnahen Wildflüsse der Alpen – bis zu den stillen Bergseen und einer Vielzahl von Badegewässern bietet die Region heute eine einzigartige Wasserlandschaft, die den Charakter und die Farben des Allgäus prägt.

    • WissenswertGewässer sind die Lebensadern unserer Erde. Sie bieten einen Lebensraum für eine Vielzahl an Lebewesen, regulieren die lokale Temperatur und reinigen unser späteres Trinkwasser. Naturbelassene Gewässer sind zudem der beste natürliche Hochwasserschutz, da sie Wassermassen einen natürlichen Raum zur Ausbreitung bieten und die Fließkraft durch Windungen und Hindernisse sanft abbremsen.
    • Erlebnis-Tipp: Es gibt tolle Routen für Spaziergänge und kleine Wanderungen rund um die Allgäuer Seen sowie abwechslungsreiche Radtouren, zum Beispiel auf dem Iller-Radweg. Besonders toll sind die Gewässer natürlich im Sommer für Aktivitäten wie Stand-Up-Paddle, Schwimmen und auch Canyoning. Wir zeigen dir grenzenlosen Badespaß im Allgäu sowie fünf der schönsten Seen der Region.
    • Schützen: Genieße die Erfrischung, aber achte darauf, ausgewiesene Uferbereiche zu nutzen, um Schilfzonen und Brutplätze nicht zu stören. Bergseen nutzen wir nur als Foto-Motiv, da sie besonders sensible Ökosysteme bilden! Rückstände von Sonnencreme vergiften Wasserorganismen, während Nährstoffe (wie z. B. Schweiß) schädliches Algenwachstum fördern und das biologische Gleichgewicht zerstören.
    • Besondere Bewohner: Die Wasseramsel ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann. Ihr Vorkommen an Allgäuer Gebirgsbächen ist ein direktes Zeugnis für höchste Wasserqualität, ebenso wie das Vorkommen der Koppe, einem kleinen, am Flussboden lebenden Fisch. In tiefen Bergseen wie dem Schrecksee überleben zudem eiszeitliche Relikte wie der Seesaibling.
    Das Werdensteiner Moos mit vereinzelten Schneeflecken und wolkenüberzogenem Himmel
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    Tourist-Information Immenstadt

    Schwarzes Gold und Klimaschutz: Die mystischen Moore

    Unsere Moore sind Jahrtausende alte Archive der Natur und Schauplatz vieler Sagen und Legenden. Sie speichern mehr CO₂ als jeder Wald und sind somit die Klima-Helden unserer Region. Als Heimat für seltene, hochspezialisierte Arten erbringen sie eine unschätzbare Naturleistung, die weit über die Grenzen unserer Region hinaus für ein stabiles Klima sorgt.

    • Wissenswert: Ohne Moore wäre das Allgäu anfälliger für Hochwasser, ärmer an seltenen Arten und würde einen seiner wertvollsten Klimaspeicher verlieren. Bei Regen können gesunde Moore das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen und bei Trockenheit langsam wieder abgeben. So bleibt die Wasserverfügbarkeit in der Region stabil. Zusätzlich dienen Moore als biologische Zeitkapseln, da sie aufgrund des Sauerstoffmangels im Boden Pollen und andere organische Funde über Jahrtausende konservieren.
    • Erlebnis-Tipp: Besuche zum Beispiel das Werdensteiner Moos oder das Berger Moos. Auf Lehrpfaden wanderst du sicher über Stege, ohne den empfindlichen Torfboden zu verdichten, und erfährst, warum Moore unsere wichtigsten Verbündeten im Klimaschutz sind. Über die Allgäuer Moorallianz kannst du Führungen buchen, um diese geheimnisvollen Welten zu erleben.
    • Schützen: Viele Tiere und Pflanzen im Allgäu kommen nur in Mooren vor, weil sie an die extrem sauren und nährstoffarmen Bedingungen angepasst sind. Da Moore und deren Bewohner extrem empfindlich sind, ist es wichtig, auf den Wegen zu bleiben. Hunde sollten unbedingt angeleint werden, da Bodenbrüter, seltene Schmetterlinge und Libellen sehr sensibel auf Störungen reagieren.
    • Besondere Bewohner: Da das Moor extrem nährstoffarm ist, fängt der Sonnentau mit klebrigen Tentakeln Insekten, um seinen Stickstoffbedarf zu decken. Ebenso findet hier der seltene Hochmoorgelbling, ein spezialisierter Schmetterling, seine letzte Zuflucht.
    Ein Steinbockt schaut hinter einem Felsen hervor, im Hintergrund die Allgäuer Hochalpen
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    Allgäu GmbH, Christian Greither Photography

    Tradition und Gipfelglück: Das Voralpenland und die Hochalpen

    Von der traditionellen Alpwirtschaft (zum Beispiel in Bad Hindelang als immaterielles Kulturerbe der UNESCO), die seit Jahrhunderten die artenreiche Kulturlandschaft pflegt, bis hin zu den ursprünglichen und rauen Lebensräumen in den Allgäuer Hochalpen – die Berge begeistern uns Menschen mit ihrer beeindruckenden Vielfalt, der majestätischen Ästhetik und dem Gefühl von Freiheit.

    • Wissenswert: Die Alpen sind weit mehr als schöne Kulisse und wichtiger Erholungsraum – ohne sie würden die biologischen und klimatischen Abläufe auf der Erde völlig anders aussehen. Berge beeinflussen globale Wetterlagen, sorgen für Regen und wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Als „Wassertürme“ speichern sie Niederschläge als Schnee und Eis und versorgen Flüsse bis weit ins Flachland. Sie bieten auf engstem Raum vielfältige Klimazonen und sind letzte Rückzugsorte für seltene Arten. Durch die spezielle, standortangepasste Vegetation werden Täler zudem vor vor Lawinen, Steinschlag und Erosion bewahrt.
    • Erlebnis-Tipp: In den Allgäuer Hochalpen bieten Ranger-Exkursionen Einblicke in die Überlebensstrategien der Alpentiere – inklusive Fernglas-Blick auf die majestätischen Steinböcke und Adler. Mit etwas Glück begegnest du auch Gämsen und Murmeltieren. Aktuelle Termine findest du hier. Tolle Naturerlebnisse kannst du auch im Naturpark Nagelfluhkette und dem dazugehörigen Naturschutzzentrum erleben.
    • Schützen: Die Alpen sind die Heimat von streng geschützten Tierarten wie Alpenschneehasen, Steinadler und Birkhühnern. Hier gilt: Bleibe auf den Wegen und vermeide Lärm sowie die Dämmerungs- und Nachzeiten, um die Wildtiere in ihren Ruhezonen zu schützen.
    • Besondere Bewohner: Der Alpensteinbock war einst fast ausgerottet, heute klettert er wieder durch die Steilwände des Hauptkamms. In den Felsspalten blüht der Blaue Enzian, dessen tiefe Wurzeln den Boden vor Erosion schützen.
    Bewaldete Hügel von oben
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    Allgäu GmbH, Klaus-Peter Kappest

    Grüne Lungen: Unsere Wälder

    Der Wald ist mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen – er ist das grüne Herz und ein komplexes Netzwerk mit vielen wichtigen Aufgaben. Er schützt uns vor Naturgefahren, bewahrt die Artenvielfalt und schenkt uns die saubere Luft und das Wasser, von dem wir alle leben.

    • Wissenswert: Während früher die schnellwüchsige Fichte in der Forstwirtschaft dominierte, wandelt sich das Bild heute hin zum Bergmischwald. Das Trio aus Fichte, Buche und der majestätischen Weißtanne bildet einen unersetzlichen Schutzschild. Besonders die Weißtanne ist ein echter Allgäuer Held: Mit ihrer tiefen Pfahlwurzel stabilisiert sie den Boden, hält schweren Stürmen stand und ist damit der ideale Baum für den klimaresilienten Wald der Zukunft. Ohne natürlichen Schutzwald wären viele Täler schlichtweg nicht bewohnbar, da nur intakte Baumstrukturen Lawinen und Muren effektiv stoppen können.
    • Erlebnis-Tipp: Besuche das Walderlebniszentrum Füssen-Ziegelwies oder die Waldwelt Skywalk Allgäu in Scheidegg, um den Wald aus der Vogelperspektive zu erleben. In der Adelegg entführen dich zertifizierte Ranger in die Geschichte des Waldes. Die Website zukunftswald.eu zeigt dir, wie wir unsere Wälder heute schon fit für den Klimawandel machen, damit sie auch morgen noch als wertvoller Lebensraum für uns alle erhalten bleiben. An drei neu gestalteten Themenwegen in Sibratsgfäll, Balderschwang und Blaichach lassen sich die großen Herausforderungen und Chancen der Bergwaldbewirtschaftung erleben.
    • Schützen: Bleib auf den markierten Wegen, damit junge Bäume ungestört wachsen können. Achte zudem besonders im Winter auf die Ruhezonen der Wildtiere. Jede Störung kostet sie wertvolle Kraft, die sie zum Überleben in der Kälte brauchen. Wer zudem die regionale Forstwirtschaft durch den Kauf heimischen Holzes unterstützt oder sich bei Projekten wie dem Bergwaldprojekt engagiert, trägt aktiv dazu bei, dass unsere Wälder auch für kommende Generationen standhalten.
    • Besondere Bewohner: Im Unterholz lebt das scheue Auerhuhn, das auf gesunde, lichte Nadelwälder angewiesen ist. Dort, wo dieser Vogel lebt, ist das gesamte Ökosystem intakt. Ebenso gilt der Sperlingskauz als Indikator für einen gesunden Wald, da er einen kleinstrukturierten Lebensraum mit viel Totholz bevorzugt.
    Ruhiger Innenhof in Wangen im Allgäu mit Begrünung und Wasserrad
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    Allgäu GmbH, Gerhard Eisenschink

    Vielfalt vor der Haustür: Die unterschätzte Kraft der Stadtnatur

    Wer an das Allgäu denkt, hat meist weite Horizonte im Kopf. Doch auch in unseren Städten pulsiert das Leben – oft versteckt, aber ökologisch hochgradig wertvoll. Unsere urbanen Zentren sind keine „Stein-Wüsten“, sondern fungieren als wichtige ökologische Inseln, die Lebensräume miteinander vernetzen.

    • Wissenswert: Die Stadtnatur im Allgäu ist weit mehr als nur schmückendes Begleitgrün zwischen Kemptener Pflastersteinen und Memminger Gassen – sie ist ein lebensnotwendiges Funktionssystem. In Zeiten heißerer Sommer wirken Parks, Straßenbegrünung und bepflanzte Hinterhöfe wie eine hocheffiziente, natürliche Klimaanlage, die lokale Hitzewellen abmildert und die Luft spürbar von Feinstaub reinigt.
    • Erlebnis-Tipp: Ein Spaziergang durch die historischen Stadtkerne und Parkanlagen des Allgäus offenbart bei genauem Hinsehen eine faszinierende Stadtnatur. In Kaufbeuren bietet beispielsweise der Berggarten beim Crescentiakloster eine stille Oase mit verschiedenen Gestaltungselementen für alle, die Ruhe und Erholung suchen. In Isny zeigt das Gemeinschaftsprojekt „Isny Stadtbeet“, wie Gemeinschaftsgärten als sozialer Treffpunkt dienen und die Verbindung zur Natur und gemeinschaftliches Gärtnern fördern, mit dem Ziel, die Innenstadt zu beleben und Biodiversität zu schaffen.
    • Schützen: Jeder Garten und Balkon im Allgäu kann einen Beitrag leisten. Durch die gezielte Bepflanzung mit heimischen Wildblumen entstehen „Tankstellen“ für (Wild-)Bienen, Fliegen und Schmetterlinge. Diese privaten Mini-Ökosysteme tragen dazu bei, dass Insekten auch in bebauten Gebieten Nahrung finden. Da hier im Vergleich zur großflächigen, intensiven Landwirtschaft meist deutlich weniger Chemie – also Pestizide und synthetische Düngemittel – zum Einsatz kommt, finden nützliche Insekten, Vögel, Igel und Amphibien sichere Rückzugsorte. Die Vielfalt an Obstsorten, Gemüse und Blumen auf engstem Raum schafft ein Mosaik an Lebensräumen, das mancherorts artenreicher ist als eine klassische Monokultur im Ackerbau.
    • Besondere Bewohner: Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft und nutzt unsere Hauswände als künstliche Felsen zum Brüten. In Parks finden wir zudem oft die Zwergfledermaus, die pro Nacht bis zu 2.000 Mücken frisst.
    Frühlingsenzian auf einer Bergwiese
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    Erik Siemen

    Du interessierst dich für naturverträglichen Outdoorsport und die Allgäuer Natur?

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