Was das Allgäu für Familien beim Wandern so angenehm macht, lässt sich überraschend klar benennen: die außergewöhnliche Dichte an Erlebnissen pro Kilometer. Kaum sind die ersten Schritte getan, begleitet ein Bach den Weg, dessen kühles Wasser Kinder wie ein Magnet anzieht. Dann öffnet sich eine Lichtung mit Blick auf die Nagelfluhkette und kurz darauf wartet ein Spielplatz direkt neben einer Alphütte, die frische Buttermilch ausschenkt. Das ist das Prinzip Allgäu: Natur und Infrastruktur halten hier die Waage, ohne dass eine die andere verdrängt. Wer mit Kindern wandern geht, muss hier keine Abstriche machen, weder an Abenteuer noch an Genuss.
Dazu kommen die vielen Bergbahnen, die gerade mit jüngeren Kindern den entscheidenden Unterschied machen. Sie bringen die Familie entspannt auf Höhe, von wo aus das eigentliche Erlebnis beginnt, ohne dass die Kleinen schon am Aufstieg ihre gesamte Energie verbrauchen.
Unter uns: Nicht jede Familienwanderung endet am Gipfel. Manche endet am Bach, eine weitere an der Hütte mit dem selbstgemachten Kuchen, und wieder eine am Spielplatz, den niemand auf der Karte eingezeichnet hatte. Das ist völlig in Ordnung und für die Kinder oft das Schönste. Aber wer einmal mit Kindern wirklich oben stand, weiß: Das ist noch einmal eine eigene Kategorie. Die will man irgendwann erlebt haben.
Der Aufstieg mit Kindern gelingt weniger über die Strecke als über die Haltung. Ein eigener kleiner Rucksack schenkt ihnen Stolz und Verantwortung. Eine Brotzeit als Etappenziel hilft sehr, am besten nicht nur für oben, sondern auch für kleine Pausen unterwegs. Und alles am Wegesrand wie Bäche, Käfer, Steine oder Blumen ist keine Ablenkung, sondern Teil des Erlebnisses und manchmal auch eine kleine Geduldsprobe für Eltern.