Moritz Brückner im Rollstuhl legt die Hand auf die Statue eines Mannes, der auf einer Holzbank sitzt
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Allgäu GmbH, Robin Schubert

Barrierefreier Ausflug nach Immenstadt

Moritz Brückner besucht auf seinem ganz persönlichen Abenteuer Allgäu die Städte der Region im Rollstuhl. In Immenstadt entdeckt Moritz Brückner Sehenswürdigkeiten und Traditionen mit dem Lauschtour-Audioguide und macht einen Ausflug zum Großen Alpsee.

    Noch bevor wir irgendetwas von der Stadt, geschweige denn dem Ortsschild gesehen haben, wurden wir schon sehr beeindruckend von der Ruine der Burg Laubenbergerstein begrüßt. Umgeben von Bergen ging es noch einen Kilometer weiter zu unserem eigentlichen Ziel – Immenstadt.

    Direkt am kleinen, zierlichen Marktplatz waren zwei geeignete Rollstuhlparkplätze frei, die schon förmlich auf uns gewartet haben. Begleitet vom kleinen Steigbach sind wir zu unserem Startpunkt – dem Marienplatz geschlendert, der ein paar schöne Erinnerungen an unseren letzten Ausflug nach Mindelheim weckte.

    Von dort aus haben wir wieder durch eine kompakte Lauschtour einige wichtige und historische Dinge gelernt. Ich für mich hatte die Erkenntnis, dass der Begriff Leinwand aus den Worten Leinen und Wand zusammengesetzt wird. Ich weiß – klingt logisch … Aber ich habe hier zum ersten Mal richtig darüber nachgedacht, nachdem ich erfahren habe, dass die Gegend hier früher auch „blaues Allgäu“ genannt wurde. Der Grund hierfür sind die vielen blauen Blüten des Flachsanbaus, die der Grundpfeiler der erfolgreichen Leinenproduktion hier vor Ort waren. Wieder was gelernt .

    Moritz Brückner im Rollstuhl auf dem Marienplatz in Immenstadt
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    Der Marienplatz

    Moritz Brückner im Rollstuhl neben einer Skulptur eines Pferdegespanns mit Fässern auf der Kutsche
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    Beliebtes Fotomotiv und städtischer Viehscheid

    Beim Schlendern vorbei am alten Rentamt, der alten Stadtmauer und den schönen altertümlichen Hausfassaden, mussten wir kurz noch einen Zwischenstopp bei einem beliebten Fotomodell machen. Man findet ihn eigentlich immer am Bräuhausplatz bei seiner Lieblingsbeschäftigung – tatsächlich ist bei ihm wirklich Hopfen und Malz verloren. Die Rede ist hier vom ortsansässigen „Biertrinker auf seiner Ruhebank“.

    Was wir bei all der Historie auch noch sehr beeindruckend fanden, war der Hinweis auf eine ganz besondere Tradition. Immenstadt ist die einzige deutsche Stadt, die den Viehabtrieb von den Alpen ins Tal noch gebührend feiert. Tausende Rinder werden an diesem Tag gleichzeitig ins Tal getrieben und am Scheidplatz wieder ihren Besitzern zugeteilt. Das Ganze nennt sich Viehscheid. Die Herden können von einer Kranzkuh angeführt werden. Ihr Kranz aus Blumen, Bändern und Tannengrün steht symbolisch dafür, dass der Sommer unfallfrei für die Tiere verlaufen ist. Wir waren zwar leider nicht live dabei, weil dieses Event nur am dritten Samstag im September stattfindet, aber dafür haben wir am Landwehrplatz drei bronzene Kuhstatuen samt Glocken und Krone sehen können.

    Moritz Brückner im Rollstuhl in der Marienkirche in Immenstadt
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    Die Marienkirche

    Moritz Brückner im Rollstuhl auf dem Kopfsteinpflaster am Marienplatz Immenstadt
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    Das Kopfsteinpflaster in Immenstadt

    Gut zu befahrendes Kopfsteinpflaster

    Die meiste Zeit der Stadttour hatte ich die kleinere, quadratische Version der Pflastersteine unter meinen Rädern, was einen hier und da schon mal etwas durchgerüttelt hat, aber alles in allem ganz gut zu befahren war. Sehr positiv aufgefallen ist mir die kurze Passage auf dem Marienplatz mit abgeschliffenen, glatten Pflastersteinen. Wenn einem also etwas Steigung nichts ausmacht, kommt man als Rollstuhlfahrer in einem Aktivstuhl hier ganz gut klar.

    Da es leider anfing zu regnen und wir am nächsten Tag noch den Großen Alpsee ganz in der Nähe genauer begutachten wollten, packten wir unsere Sachen und übernachteten im ebenfalls recht nahe gelegenen Hotel Krone. Und – was soll ich sagen: Mit der Entscheidung für einen Besuch im hauseigenen Restaurant, konnten wir uns sehr glücklich schätzen.

    Aussichtspunkt auf den Großen Alpsee
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    Der Aussichtspunkt oberhalb des Großen Alpsees an der Straße Richtung Zaumberg/Missen

    Moritz Brückner am Steuer eines Autos
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    Ausflug zum Alpsee

    Was jedoch das Wetter am nächsten Morgen anging, hatten wir eher weniger Glück. Anstelle von strahlendem Sonnenschein tröpfelte uns ein grauer Tag entgegen. Nach Rücksprache mit der sehr netten Rezeptionistin und einem ausgiebigen Brainstorming bei einem üppigen Frühstück, blieben wir aber bei unserem Plan. Unser Weg zum Alpsee war von meinem Navi optimal gewählt. Die wenigen Minuten Autofahrt wurden begleitet von verschnörkelten Wegen durch die malerische Hügellandschaft – immer mit Ausblick auf die Alpen. Die Fahrt ging vorbei an saftig grünem Weideland – das vermutlich durch den Regen nochmal extra saftig wirkte – und hin zu unserem Aussichtspunkt auf der Straße nach Missen, an dem wir das erste Mal leider vorbeigefahren sind, weil er sich ganz unscheinbar als kleine Ausfahrt in einer Kurve tarnte.

    Das Schöne ist, dass man die Aussicht auf den Alpsee von der Ferne und von Nahem auch gut vom Auto aus betrachten konnte. Obwohl es natürlich mit Sonnenschein sicher nochmal schöner gewesen wäre! Am Ende sind solche Trips immer das, was man draus macht. Und wir haben uns hier definitiv einen richtig schönen Ausflug gebastelt.

    Barrierefreier Uferweg am Alpsee

    Entlang des Ostufers des Großen Alpsees führt ein befahrbarer Weg vom Naturparkzentrum bis zum Strandbad Hauser. Mehr Infos dazu findest du im Flyer zum barrierefreien Urlaub in Immenstadt.

    Flyer Barrierefreier Urlaub in Immenstadt

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