Im Jahr 2011 wurden in Kempten Zeichnungen aus dem KZ-Außenlager entdeckt, die erstmals die Lagerrealität bildlich darstellten und somit ein bedeutender Beitrag zur Erinnerung an die NS-Gewalt in der Stadt waren.
Einziger Termin
Stadtarchiv/Paul Bermond
Die Zeichnungen stammen von Paul Bermond, einem französischen Häftling, der sie 1944/45 heimlich anfertigte. Sein Mithäftling Paul Wernet, der im Lager als Dolmetscher fungierte, hat die Zeichnungen in zwei kleinen Heften gesammelt, diese mit "Souvenirs de Captivité" betitelt und bis kurz vor seinem Tod bei sich in Sarreguemines aufbewahrt. Im Jahr 2011 gelangten sie ins Stadtarchiv Kempten und 2019 in Teilen in die Ausstellung im Kempten-Museum.
Dass Paul Bermond der Zeichner dieser bedeutenden Zeugnisse des Lageralltags ist und noch lebt, wurde erst 2023 durch Zufall bekannt. Bermond wurde 1925 in Dole im französischen Jura als jüngster von vier Brüdern in eine katholisch geprägte bürgerliche Familie hineingeboren und hat sich nach der deutschen Besatzung seines Landes schon früh als Schüler politisch engagiert. Die Verteilung von Fluglättern führte schließlich zur Inhaftierung und Deportation. Bermond erging es anschließend wie zehntausenden französischer Widerstandskämpfer, die im Sommer 1944 nach der Landung der Alliierten in der Normandie in Konzentrationslager auf deutschem Reichsgebiet verlegt wurden. Anfang August 1944 kam Paul Bermond mit über 300 anderen französischen politischen Häftlingen in das seit 1943 bestehende KZ-Außenlager Kempten, wo er bis Kriegsende verblieb. Dort arbeiteten die Häftlinge in Rüstungsbetrieben, unter anderem bei BMW.
Untergebracht waren die Franzosen in den wenige Jahre zuvor errichteten Viehauktionshallen an der Kotterner Straße gegenüber dem damaligen Kemptener Hauptbahnhof. In diese Hallen zog im April 1944 das KZ-Außenlager Kempten um. In Halle II (auch Kälberhalle genannt) konnten die Franzosen für ihre Häftlingsgruppe eine bis zu einem gewissen Grad eigenständige Lagerstruktur aufbauen, die den Zusammenhalt und das Überleben begünstigte. In dieser Halle entstanden auch die KZ-Zeichnungen, die Paul Bermond für den Mithäftling Paul Wernet über einen längeren Zeitraum hinweg anfertigte. Wernet, der aufgrund seiner Dolmetschertätigkeit eine privilegierte Stellung innehatte, stellte Bermond zum Zeichnen zwei kleine Hefte und Stifte zur Verfügung und versteckte diese jedes Mal wieder gut.
Wernet und Bermond haben beide den Krieg überlebt, sind sich aber später nie wieder begegnet.
Die Zeichnungen und ihre Geschichten, die im Zentrum dieser Sonderführung stehen, wurden erst nach langer Zeit wiederentdeckt und ergänzen maßgeblich das Bild, das wir vom Lager in Kempten haben.
Ähnliche Veranstaltungen
- Führung3 weitere TermineEingang Erasmuskapelle — Kempten
Mystisches Kempten
06.03.20263 weitere Terminemehr dazuAbendführung
- AusstellungEinziger TerminMarstall Kempten — Kempten
DGS Führung mit Ute Fieger Aha-Erlebnis „Rom lebt!“
07.03.2026Einziger Terminmehr dazuFührung mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache
- Ausstellung10 weitere TermineMarstall Kempten — Kempten
Öffentliche Standardführung „Rom lebt!“
07.03.202610 weitere Terminemehr dazuJeden Samstag im Rahmen der Ausstellung „Rom lebt!"
- Kleinkunst1 weiterer TerminTheaterwerkstatt - Probebühne des Theater in Kempten — Kempten
L'Eos Lounge
15.03.20261 weiterer Terminmehr dazuVon und mit Autor und Filmemacher Leo Hiemer
- Führung4 weitere TermineWestseite der Residenz, Eingang zu den Prunkräumen — Kempten
Auf den Spuren von Kommissar Kluftinger
08.05.20264 weitere Terminemehr dazuZu den Kemptener Schauplätzen der berühmten Allgäu-Krimis
