Saqib sitzt an einem Computer
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Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

Vom Hörsaal in den Job – Saqibs Weg ins Allgäu

Ohne fließendes Deutsch, aber mit viel Fleiß: Saqib kam vor neun Jahren aus Pakistan an die Hochschule Kempten, um Elektroingenieur zu werden. Heute hat er den Sprung in den Beruf geschafft und blickt auf einen Weg zurück, der nicht immer einfach war, sich aber absolut gelohnt hat.

    Zufrieden sitzt Saqib im Besprechungsraum der Hochschule in Kempten. Der 33-jährige Elektroingenieur aus Islamabad in Pakistan ist einer von rund zehn Prozent der Absolvent:innen, die aus dem Ausland nach Kempten kommen, um hier ihren Abschluss zu machen. „Das war eine sehr gute Entscheidung“, sagt er lächelnd. Nicht nur, weil es bei ihm zu Hause schwer sei, einen Job zu finden. „Auch die Ausbildung war super!“

    An seine Anfänge im Allgäu vor neun Jahren erinnert er sich noch ganz genau: „Von zu Hause aus suchte ich nach einem Studienplatz im Ausland. Kanada, Australien und die USA hatten hohe Gebühren pro Semester.“ Seine Wahl fiel auf Deutschland: „Nach München oder Freiburg wollte ich nicht. In Kempten gab es Vorlesungen auf Englisch und die Berge ganz in der Nähe. Und das Busticket kostenlos dazu“, ergänzt er strahlend.

    Saqib im Gespräch mit einer Frau
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    Starthilfe unter Freunden und der Campus als neue Heimat

    Pakistanische Freunde begleiten ihn damals: Obwohl Saqib aus der Millionenstadt Islamabad kam, war es für ihn am Anfang schwer, den Bus selbstständig zu benutzen. Fremde Sprache, fremde Strecken, fremde Regeln. „Auch für Termine bei den Ämtern und fürs Einkaufen brauchte ich Hilfe“, gibt er zu.

    Deshalb holten ihn pakistanische Freunde an seinem ersten Tag vom Bahnhof ab. Sie begleiteten den damals 24-Jährigen zu allen wichtigen Stellen: in Läden, zu Behörden, zu Wohnungsbesichtigungen. „Nach etwa zwei Wochen habe ich alles selbst hingekriegt.“ Ab da fühlte sich Saqib im Allgäu zu Hause. Nur auf dem Campus in Kempten war er schon ab dem ersten Tag daheim: „Das International Office bringt hier Studierende aus allen Nationen zusammen“, erzählt Saqib von der Hochschule, die auch die Verbindung zu 120 Partner-Universitäten im Ausland pflegt. „Ich hatte einen Paten. Es gab internationale Abende, Partys und eine gemeinsame Hüttenübernachtung. Das hat mir alles wirklich sehr geholfen, um hier anzukommen und mich wohlzufühlen.“

    Jede kleine, freundliche Begegnung habe es ihm leicht gemacht. „Auch die deutschen Kommiliton:innen in den Vorlesungen halfen mir sehr.“ Was er bis heute vermisst, ist „richtig leckeres Essen.“ Bei diesem Satz lächelt der Elektroingenieur, der für sein Leben gerne kocht. Seine Leidenschaft hilft ihm, mit Menschen gesellig in Kontakt zu kommen. „Ich liebe es, für Gäste zu kochen.“ Nach diesem Satz lädt er die Verfasserin dieses Beitrags kurzerhand zu einem typisch pakistanischen Essen ein. In seinem Land sei man sehr gastfreundlich.

     

    Praxis über Theorie  der Unterschied zu Pakistan

    Auch die Hochschule sei sehr unterschiedlich im Vergleich zum Studium in seiner Heimat. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kempten gehe es viel praxisorientierter zu. „In Pakistan haben wir viel mehr Theorie – wir arbeiten eher mit Büchern. Hier steht man im Labor und baut reale Schaltungen auf.“ So sei der Weg in die Industrie für ihn ganz einfach. „Mit diesem System ist man nach dem Studium viel besser auf die Arbeitswelt vorbereitet.“

    Saqib im Labor an einer Maschine
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    Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

    Sprache ist der Schlüssel zur Integration

    Wenn er noch mal ein Studium in Deutschland beginnen würde, würde er eine Sache anders machen: „Ich würde vorher die Sprache besser lernen. Ich verstehe bis heute viel und spreche wenig. Zu wenig“, findet er. Deshalb lautet sein Tipp für alle, die mit dem Gedanken spielen, in Deutschland zu studieren: „Nicht nur den Grundkurs besuchen – sondern sich wirklich gründlich vorbereiten. Wer sich schnell integrieren möchte, muss die Sprache beherrschen.“

    Saqib machte auch ohne fließendes Deutsch Karriere: Seine Masterarbeit schrieb er in einem Unternehmen in Geltendorf. Im Anschluss bekam er im selben Betrieb direkt einen Job angeboten. „Der Chef war sehr bemüht und machte es mir leicht.“ Der Pakistaner nahm das Angebot an – und steuerte damit unerwartet in die für ihn schwierigste Phase in Deutschland: die Corona-Pandemie. „Beruflich lief es gut, schwierig war es vor allem sozial. Geltendorf ist klein, ich hatte hier kaum Bekannte. Das war deprimierend.“ Nicht der Job sei das Problem gewesen, sondern das Leben drumherum. „Die mangelnden Sozialkontakte.“

    "Es fühlt sich wie zu Hause an. Noch nicht genauso wie in Pakistan, aber schon ein bisschen wie daheim."

    Berge, Freunde, Ballgefühl

    Deshalb suchte sich Saqib eine Stelle in Memmingen – dort lebten bereits Freund:innen von ihm, das machte es ihm leichter. Heute ist er zufrieden mit seinem Leben dort. „Es fühlt sich wie zu Hause an“, sagt er. „Noch nicht genauso wie in Pakistan, aber schon ein bisschen wie daheim.“

    Das liegt auch an den Bergen. Zu Hause in Islamabad war er schon viel in den Bergen unterwegs. „Auch während des Studiums bin ich viel gewandert und Rad gefahren.“ Die Bergtouren begleiten ihn bis heute – und dazu ein drittes, etwas exotischeres Hobby: Cricket. Mit dem Schläger im Gepäck reiste er im Allgäu an. Bis heute trifft er sich im Sommer regelmäßig mit Menschen aus Indien, Pakistan und Bangladesch auf dem Campus bei den Basketball-Plätzen zum Spielen.

    Beim Cricket und im Job spricht er bis heute viel Englisch. Im Alltag versteht er Deutsch – nur das Sprechen fällt ihm nach wie vor schwer. Deshalb bleibt Saqib dabei: „Sprache ist in jedem Land der Schlüssel: Wer Deutsch kann, bewegt sich freier, versteht Regeln schneller, braucht weniger Hilfe und wird selbstständiger.“ Alles andere kommt dann von selbst.

    Saqib unterhält sich vor der Hochschule Kempten mit einer Frau
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    Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

    Ein Land mit klaren Regeln und neuen Perspektiven

    Darüber hinaus nennt er noch zwei weitere Punkte für gelingende Integration: Offenheit und Respekt. Auch wenn die Allgäuer:innen am Anfang etwas reserviert wirken: „Viele Deutsche reden nicht sofort mit dir. Aber wenn du den ersten Schritt machst, sind sie freundlich.“

    Wichtig sei, sich an alle Regeln zu halten: Verkehrsregeln, Arbeitszeiten, Pausen, Verwaltungsabläufe, Formulare, Müllsystem. „In Deutschland gibt es für alles klare Regeln. Das ist anfangs ungewohnt – im Grunde aber positiv. Weil das System für alle gilt – egal ob du von hier bist oder nicht.“ Wer das versteht, hätte es hier leicht. Saqib ist jedenfalls immer noch glücklich mit seiner Entscheidung, sich an der Hochschule in Kempten eingeschrieben zu haben. Zufrieden lächelnd blickt er aus dem Fenster auf die noch verschneite Nagelfluhkette in der Frühlingssonne. Auch ohne Worte ist klar, was er sagen will: „Einfach schön hier!“

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