Vom Ruhrpott ins Allgäu: gut vernetzt und angekommen
Um gesellschaftlichen Anschluss kümmerte sich Pascal ab seinem ersten Tag im Allgäu selbst. „Taube haben da einen Vorteil: Wir sind sehr gut vernetzt.“ Wenige Wochen nach seiner Ankunft wurde er Mitglied in einer Tauben-Community. Wenige Monate später war er erster Vorsitzender.
Natürlich gab es auch Hürden, die er bewältigen musste. „In Dortmund gibt es mehr Verkehr: U-Bahn, Zug, Bus – alles läuft. Auch nachts. Geschäfte haben bis 24 Uhr offen, es gibt Spätis. Im Allgäu ist das anders. Ruhiger.“ Auch in der Deutschen Gebärdensprache gibt es Unterschiede. „Bayern gebärden anders als ich. Aber das stört mich nicht. Wir finden einen gemeinsamen Stil.“
An das bayerische Essen hat er sich schnell gewöhnt. Er liebt Weißwurst mit Brezen. Und im Winter das Schneeschuhwandern. Für Zuzügler:innen – egal ob hörend oder nicht – hat er mehrere Tipps: „Man muss offen und bereit sein, hier zu leben.“ Eine größere Herausforderung sei die Wohnungssuche: „Da sollte man sich rechtzeitig darum kümmern.“ Außerdem sei es richtig, dass die Lebenshaltungskosten höher seien als anderswo in Deutschland. „Aber die Gehälter sind auch höher – das gleicht sich aus.“
Kommunikation braucht kein Gehör, sondern Lösungen
Alles in allem ist das Allgäu für Pascal eine runde Sache. Es hier zu versuchen, kann er nur empfehlen – egal ob hörend oder nicht. „Taube Menschen sind genauso unterschiedlich wie Hörende. Manche haben weniger Mut, andere führen ein ganz normales Leben, wieder andere sind besonders erfolgreich und stechen heraus. Das ist bei uns wie bei Hörenden.“
Trotzdem rät er auch Firmen, es zu versuchen. „Es lohnt sich, Tauben Menschen eine Chance zu geben. Oft wird bei ‚taub‘ gesagt: ‚Das geht nicht – wie sollen wir kommunizieren?‘ Aber man kann kommunizieren – auch ohne Gebärdensprachdolmetscher die ganze Zeit. Es gibt Lösungen. Man muss es einfach ausprobieren.“