Porträt von Bahare an einem Schreibtisch in einem Büro
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Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

Vom eigenen Ankommen zum Begleiten anderer – Bahares Weg ins Allgäu

Aufgewachsen in Hamburg, Karriere gemacht in Teheran und schließlich gelandet im Allgäu. Bahare hat mehrfach den Schritt in eine neue Heimat gewagt und sorgt in Kempten mit viel Leidenschaft dafür, dass andere genau das schaffen: das Ankommen.

    „Was mir sofort aufgefallen ist? Die Ruhe …“, sagt Bahare lachend. Die 42-jährige Deutschlehrerin sprüht vor Energie und Tatendrang. Kein Wunder: Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte die dynamische Frau in der trubeligen Metropole Teheran. „In Kempten habe ich das Fenster aufgemacht und hörte – nichts. Stille!“

     

    Von Deutschland in den Iran  aber die Sprache bleibt

    Ganz anders sei es bei ihr zu Hause in der Millionenstadt gewesen, in der Bahare seit ihrem zehnten Lebensjahr lebte. „Aufgewachsen bin ich in Hamburg.“ Ihre Eltern wandern, als sie ein Baby ist, während des Iran-Irak-Kriegs nach Deutschland aus. Die Familie verbringt einige Jahre in ihrem neuen Zuhause in Norddeutschland, bevor sie in ihr Heimatland zurückkehrt. Dort lernt Bahare Persisch. Mit 13 besucht sie das Sprachinstitut der deutschen Botschaft in Teheran (DSIT). „Ich habe mich dort sofort wie zu Hause gefühlt“, erinnert sie sich lächelnd. In der Einrichtung, die eng mit dem Goethe-Institut zusammenarbeitet, vertieft die Jugendliche ihre Deutschkenntnisse.

    Frau mit einem Arbeitsbuch
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    Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

    Mit 18 Jahren drückt ihr der Chef des Instituts ein Lehrbuch und einen Kassettenrekorder in die Hand – und weist ihr eine Klasse zu. So startet die junge Bahare ihre Karriere als Deutschlehrerin. In den darauffolgenden Jahren nimmt sie parallel zum Unterricht ihr Deutsch-Studium auf und absolviert die interne Lehrerausbildung des DSIT. Mehrfach besucht sie Fortbildungen in Deutschland, unter anderem in Berlin, Dresden und Frankfurt. Sie schließt ihr Deutsch-Studium mit einem Master ab. Während ihres Studiums jobbt sie journalistisch, schreibt, übersetzt, dolmetscht und moderiert im Radio ein deutsches Programm.

     

    Der große Schritt: Mit zwei Koffern ins Allgäu

    Als es im Iran wirtschaftlich schwierig wird, bewirbt sich Bahare weltweit als Deutschlehrerin. Nach monatelangem Warten kommt endlich eine Zusage – aus Kempten von der Deutschen Angestellten Akademie (DAA). „Auf Google Maps habe ich erst einmal nachgeschaut, wo die Stadt im Allgäu überhaupt liegt. Ich hatte keine Vorstellung davon, wohin ich da eigentlich fahre.“ Mutig sagt sie zu und lässt damit ihr ganzes Leben im Iran zurück. „Das war ein Riesenschritt: Mein Mann und ich hatten im Iran alles“, erzählt sie. „Eine Eigentumswohnung, zwei Autos, Freunde, ein gutes Leben.“

    "Beim zweiten Besuch im Iran dachte ich: ‚Ich vermisse Kempten.‘ Da wusste ich: Jetzt bin ich angekommen."

    Trotzdem reist Bahare mit zwei Koffern und ihrer hanseatischen Kindheitserfahrung im Gepäck nach Kempten. Überraschung: „Hier war alles anders“, erzählt sie lachend. So hügelig die Landschaft war, so holperig verläuft ihr Start ins Sozialleben. „Ich arbeitete viel, hatte kaum Zeit, mich um private Kontakte zu kümmern.“ Das Gute: Der Job macht der Lehrerin Spaß. Täglich unterrichtete sie über 100 Jugendliche in Berufs-Integrations-Vorklassen an der Berufsschule. „Tür auf – Leben an. Jeden Morgen. Die jungen Menschen geben dir unheimlich viel Energie.“

     

    Wenn aus einer neuen Stadt ein neues Zuhause wird

    Über ihre Tätigkeit knüpft Bahare im Laufe der Zeit Kontakte, mit denen sie auch über die Arbeit hinaus Zeit verbringt und die schließlich zu ihren Freunden werden. Ihren Mann besucht sie zweimal im Jahr. „Beim zweiten Besuch dachte ich: ‚Ich vermisse Kempten.‘ Da wusste ich: Jetzt bin ich angekommen.Mittlerweile wohnen sie zusammen in Kempten.

    Bahare erklärt eine Gruppe von Menschen etwas
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    Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

     „Wer sich rasch zu Hause fühlen will, muss nur wenige Regeln befolgen“, weiß Bahare aus Erfahrung. „Man muss offen sein.“ Mehr von dieser Offenheit ihr gegenüber wünscht die gebürtige Iranerin sich auch von den Menschen hier vor Ort. Trotzdem fokussiert sie sich auf das Positive: „Man darf nicht alles, was hier ist, mit dem Heimatland vergleichen. Und man muss wissen: Hier ist es einfach anders – aber schön!“ 

    Auch beruflich findet Bahare ihre Heimat, als sie an die Sprachenschule „Bildung und Beruf“ in der Bahnhofstraße wechselt. Dort unterrichtet sie fortgeschrittene Sprachschüler:innen und ist seit Dezember pädagogische Leiterin der Einrichtung. Auf zwei Dinge ist sie dabei besonders stolz. Erstens: „Bisher ist bei mir noch kein einziger durch die Prüfung gefallen.“ Und zweitens: „Ich bin aus meiner Komfortzone gegangen und habe die Herausforderung gemeistert.“ 

     

    Drei praktische Tipps zum Ankommen

    Für Menschen, die ins Allgäu ziehen möchten, hat Bahare drei praktische Tipps: „Rechtzeitig nach einer Wohnung suchen, nicht zu viel vergleichen und sich helfen lassen.“ So komme man schnell und gut hier an. „Die Stadt ist wie eine große Gemeinschaft. Man begegnet sich hier auf der Straße, man kennt sich – man kann sich hier wohlfühlen.“

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