Verkleideter Guggenmusiker spielt Becken in der Memminger Altstadt
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Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

Achtung, schräge Töne: Guggenmusik im Allgäu

In der Fastnacht ziehen im Allgäu die Guggenmusiken durch die Gassen. Die Kapellen mit den üppigen, bunten Kostümen, den riesigen Bässen und den gewaltigen Schlagwerk-Wägen sorgen für ein pompöses Getöse und gute Stimmung im Rhythmus der Musik.

    Mitreißender Rhythmus, prächtige Kostüme und aufwändig bemalte Gesichter

    Die Luft bebt, der Rhythmus geht in Mark und Bein, die schillernden Kostüme machen das Spektakel perfekt: Die Guggenmusik-Kapellen spielen mit Bässen, Schlagwerk, Trompeten, Posaunen und Sousaphonen eigenwillig arrangierte Pop- und Rock-Hits. Das kann auch mal etwas schräg klingen. Aber: „Die Musiker spielen nicht falsch. Sie reizen nur den individuellen Spielraum aus“, erklärt Josef Hodrus aus Isny im Allgäu. Der Trompeter dirigierte knapp 18 Jahre lang eine der ältesten Guggenmusik im Westallgäu und arrangierte die Stücke für die Kapelle. „Guggenmusiker spielen kein Konzert. Keine Stücke, die sich an streng arrangierte Noten halten. Hier hat jeder die Möglichkeit, sich maximal zu entfalten. Alles aus seinem Instrument herauszuholen.“

    Die Guggenmusiken sind aus der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe gehört, nicht wegzudenken. Sie verstehen es wie kaum eine andere Kapelle, ihre Energie auf das Publikum zu übertragen: Jeder einzelne Auftritt sei echter „Hochleistungssport“ für jeden Musiker, erzählt Josef Hodrus aus jahrelanger Erfahrung. „Da musst du richtig pressen. Du bewegst dich. Die Masse geht mit. Das ist Adrenalin pur.“ 

    Verkleidete Hausemer Guggenmusik beim Umzug in Memmingen
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    Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

    Verkleideter Guggenmusiker mit Sousaphon in der Isnyer Altstadt
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    Allgäu GmbH, Dominik Berchtold

    Guggenmusik als außergewöhnliche Erfahrung

    „Man hört, spürt und sieht die Botschaft. Das ist nonverbale Kommunikation und eine multisensorische Erfahrung. Nicht zu vergleichen mit Musik von einer CD“, erklärt der Hirnforscher Prof. Lutz Jäncke von der Universität in Zürich. „Bei so extremen Rhythmen hört der Mensch das Denken auf und automotorische Bewegung setzt ein.“ Josef Hodrus weiß genau, was der Wissenschaftler meint: „Guggenmusik kann man nicht gut erklären, das muss man erleben: Das bunte Kostüm, die schnellen Schlagwerke auf Rädern, die Bässe mit ihren großen, nach vorne ausgerichteten Trichtern – das funktioniert nur live.“ Aufgrund dieser Faktoren sind sich die Musikforscher einig: Guggenmusik passt in keine Schublade. Manche sprechen sogar von einer ganz unabhängigen Musikgattung.

    Fastnachtsbrauch aus der Schweiz

    Der Ursprung der Guggenmusik liegt in der Schweiz und ist heute dort und in der schwäbisch-alemannischen Fasnet verbreitet: Mitte des 19. Jahrhunderts zogen in Basel „improvisierte Musiken“, sogenannte „Katzenmusiken“ durch die Stadt. Die erste Kapelle unter dem Begriff „Guggenmusik“ ist bereits 1906 erwähnt: Es sei eine Musik, die „Steine erweichen, Menschen rasend machen kann.“ 1979 wurde die erste Allgäuer Guggenmusik-Kapelle in Isny gegründet.

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