Schützenswert: Alte Apfelsorten im Allgäu
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Allgäu GmbH, Erika Dürr

Alte Allgäuer Obstsorten

Allgäuer Spezialitäten lassen sich auch in Form alter Obstsorten finden, die nur in der Region vorkommen. Diese seltenen Raritäten sind oftmals stark gefährdet – und somit Genussschätze, die bewahrt werden wollen.

    Insgesamt gibt es im Allgäu 181 Apfel- und 76 Birnensorten. Das ist das Ergebnis einer großen Streuobsterfassung in den Jahren 2009 bis 2013. 3.722 Apfel- und Birnbäume wurden im Allgäu gezählt und erfasst. Ziel dieser „pomologischen Reise“ war es, die im Allgäu und am bayerischen Bodensee erhaltenen Apfel- und Birnensorten als Teil der regionalen Obstkultur zu erfassen, zu dokumentieren und zu erhalten. 257 Sorten konnte nachgewiesen werden, weitere 97 unbekannte Varietäten wurden als eigenständige Sorten identifiziert, aber noch nicht namentlich bestimmt.

    Apfelbäume können bis zu 120 Jahre alt werden. Birnbäume werden nicht selten älter als 200 Jahre. Streuobstbäume und –wiesen prägen die Kulturlandschaft im Allgäu und am Bodensee. Da stellt sich die Frage – gibt es von diesen über 300 Sorten Äpfel und Birnen, die hier ihren Ursprung haben bzw. nur hier vorkommen? Also richtige Regionalsorten?

    Nur ein kleiner Teil der einstigen großen Sortenvielfalt regionaler Apfel- und Birnensorten in Bayern hat überlebt. Lokal oder regional verbreitete Sorten wurden im Laufe der Zeit verdrängt, durch das Engagement einzelner Landwirte, Obstgärtner, Baumschulbetreiber und Baumwarte überdauerten doch einige wenige. Mit viel Liebe und Verbundenheit zu den alten Obstsorten konnten im Allgäu und am Bodensee Apfel- und Birnensorten erhalten werden.

    Durch das Projekt wurden diese regionalen „Genussschätze“ entdeckt. Regionalsorten sind so definiert, dass sie nach aktuellem Kenntnisstand und historischen Quellen nur in der entsprechenden Region vorkommen. Jüngere Vorkommen werden dabei nicht berücksichtigt.

    Der Allgäuer Kalvill - ist eine gefährdete Apfelsorte, wurde 1951 erstmals beschrieben, sie ist am bayerischen Bodensee und im württembergischen Allgäu verbreitet, dort soll sie aus der Apfelsorte 'Josef Musch' entstanden sein

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    Hans-Thomas Bosch

    Alte Allgäuer Apfelsorten - Der Pfahlinger
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    Hans-Thomas Bosch

    Der Pfahlinger – gefährdete Apfelsorte, sie ist bisher nur im bayerischen Bezirk Schwaben bekannt, ein Mostapfel, die heute noch starke Verbreitung geht auch auf die Baumschule Kutter in Memmingen zurück, die bereits um 1940 in ihrem Katalog einen 'Pfauerling' anbietet.

    Jakobacher – eine gefährdete Apfelsorte, ist vor allem im Oberallgäu anzutreffen, dort ist sie auch als „Weinapfel“ bekannt

    Alte Allgäuer Apflesorte - Der Jakobacher
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    Hans-Thomas Bosch

    Alte Allgäuer Birnensorten - Die Längeler Birne
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    Hans-Thomas Bosch

    Die Längeler Birne oder auch Länkelesbirne – gefährdete Dörrbirne, besonders im Unterallgäu als Regionalsorte anzutreffen, bisher ist sie nur in Allgäu-Schwaben bekannt

    Die Hängeler oder auch Hütschenballer – eine gefährdete Birnensorte, die in anderen Regionen bisher nicht bekannt ist, sie wird traditionell als Dörrbirne für Birnenbrot verwendet

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    Hans-Thomas Bosch

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    Hans-Thomas Bosch

    Die Goldbirne – eine bedingt gefährdete Sorte, die regionaltypisch für den Kreis Lindau und Vorarlberg ist, sie wird vorwiegend als Brennbirne verwendet

    Kornbirne

    Die Kornbirne – gefährdete Sorte, die bislang in anderen Regionen nicht kartiert wurde

    Alte Allgäuer Birnensorten - die Kornbirne
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    Hans-Thomas Bosch

    Weitere Sorten: Aufhofer Klosterapfel, Forellenbirne Salgen, Schäufelebirne (Region Halblech), Weissbirne, Luipolzerbirne

    • Quelle

      Hans-Thomas Bosch, Auszug aus der Publikation „Besondere Apfel- und Birnensorten im bayerischen Allgäu und am bayerischen Bodensee“, 2020

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