Leni Weber

Die Heilkraft heimischer Bäume

Ihre Liebe zu den Bäume war das Ergebnis eines Zufalls. Heute verfügt Leni Weber über eine reichhaltiges Wissen über die Heilkraft der Natur. Dafür schaut die Bäuerin manchmal einfach nur den Kühen zu. Denn die wissen, was ihnen gut tut. Gemeinsam erkunden wir das zauberhafte Grün eines nahen Waldes – und bereiten mit unseren Fundstücken ein feines Kräuteröl

    Auf dem Weg in den Wald.

    Geführte Wanderung mit Leni Weber

    Frische Fichtennadelspitzen sind spitze

    Ist das schon Waldbaden?

    Vielfältige Pflanzen zieren den Weg.

    Es ist eine schöne Geschichte, wie Leni Weber ihre Liebe zu den Bäumen entdeckte. Indem sie aufschaute. Mit den Kräutern hatte ihre Naturbegeisterung angefangen. Damit kannte sie sich schon aus. Und eines Tages war sie auf einer Wiese unterwegs, sammelte Minze oder Hagebutten, schaute auf und sah plötzlich einen Baum. „Der hat da schon immer gestanden. Aber an diesem Tag nahm ich ihn zum ersten Mal richtig wahr. Und es hat etwas mit mir gemacht.“

    Die Liebe zu den Bäumen und der Baum der Liebe

    Später erkannte sie im eigenen Garten beim Mähen einen Eichenschößling. Früher wäre sie „einfach drüber“. Jetzt lässt sie ihn stehen. Inzwischen ist es ein richtiger Baum. Und wie es so ist, wenn ein Thema Raum ergreift in einem, scheinen das auch andere zu erkennen. Plötzlich bringt ein Nachbar eine junge Sommerlinde, um die er sich nicht mehr kümmern könne, denn er ziehe fort. Leni Weber gibt ihr Asyl. Heute steht sie prachtvoll am Rand des Gartens. Die Linde ist Lenis Lieblingsbaum – die herzförmigen Blätter, der betörende Duft der Blüte, die Bedeutung der Linde für die Menschen, die sich unter ihr treffen, unter ihr feiern, unter ihr lieben.

    Wir folgen Leni Weber auf einem Spaziergang in den kleinen Geigersthaler Wald, nahe ihres Hofs. Leni ist Bäuerin, betreibt mit ihrem Mann einen kleinen Bio-Hof. In der Arbeit mit ihren Tieren hat sie viel über die Heilkräfte der Natur gelernt. So beobachtete sie, dass einige Kühe bestimmte Bäume oder Sträucher aufsuchten, weil sie ihnen gut tun. Fichtenspitzen, Haselblätter, Eschenlaub. Offenbar „wissen“ sie um die Wirkung. „Unsere Kühe holen sich was sie brauchen.“ Auch die Ziegen lieben die Blätter der Esche.

    Fichte wirkt gegen Husten, Linde gegen Kälte

    Während wir durch einen schlichtweg magisch-schönen Wald wandern, der im Licht dieses Sommertages wie ein Schatzkästchen leuchtet, und durch den munter ein Bach gurgelt, greift Leni immer wieder nach Nadeln und Zweigen. So ergeben die aufgekochten Spitzen der Fichte einen wirksamen Tee gegen Husten und Erkältung. Wir sprechen über Eschen und Haselsträucher, über Birken und Preiselbeeren, über Blätter und Knospen, aus denen sich ein hochwirksames Heilmittel herstellen lässt. Lenis Wissen um die Heilkraft der Bäume ist ein enormer Schatz.

    Gesammelte Blätter und Früchte aus dem Wald

    Aus den Früchten entsteht ein wohltuendes Hautöl.

    Die Walnüsse werden rund um Johanni gesammelt

    Gesammelte Walnüse

    Farn und Klee, Springkraut und Storchschnabel, Akelei und Erdstern – manche Pflanzen und Pilze machen Leni richtig glücklich. Dann kniet sich die Frau mit ihren kurzen grauen Haaren – „irgendwann habe ich einfach beschlossen, sie nicht mehr zu färben“ – und hält die Pflanze sanft zwischen ihren Fingern. An einer Stelle ist ein Baum gefallen, liegt quer über dem Bach. Auf seiner Oberseite wachsen Pflanzen. Das Wasser, das Sonnenlicht, das sich darin reflektiert, die leichte Brise, die die Blätter tanzen macht, ein schmaler Pfad, der in die unergründliche Tiefe des Waldes führt. „Dies ist ein echter Feenplatz. So ein Ort erfreut das Herz.“

    Gruß aus dem Wald: ein Öl für Zuhause

    Zurück in ihrem Hof bereitet Leni einige der Fundstücke aus, die sie unterwegs eingesammelt hat. Blätter, die noch grünen Walnüsse, die sie rund um Johanni sammelt. Sie schneidet die Blätter und Früchte und trägt dabei Gummihandschuhe, denn die Früchte färben. Dann befüllt sie damit ein Einmachglas und gießt es mit einem handelsüblichen, aber hochwertigen Olivenöl zur Hälfte auf. Verschließen. Die Mischung sollte ein paar Wochen stehen lassen. Am besten im kühlen, dunklen Keller. Im Spätsommer ist es ein feines Hautöl mit einem leichten Selbstbräunungseffekt und – so Leni Weber – „eine Wohltat für die Haut.“

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    Die Autoren

    Susanne Baade und Dirk Lehmann

    Im Expeditionsschiff in die Antarktis und per Helikopter über Australien, Wanderung zu einem Kloster in Nepal und Besuch im Luxushotels in Paris, Trekkings durch Kanada und Achtsamkeitsübungen im Allgäu – zu reisen, zu fotografieren, die Welt zu erzählen: Das ist unser Beruf, unsere Berufung. Lange haben wir als Redakteure namhafter Magazine im Hamburger Verlag Gruner+Jahr gearbeitet, seit einigen Jahren berichten wir nun für das Allgäu aus dem Allgäu. Hier haben wir besondere Menschen kennen gelernt, faszinierende Momente erlebt und eine Natur, die uns immer wieder begeistert. Wir sind dankbar für jedes dieser Abenteuer. Und dafür, dass Sie uns begleiten! Susanne&Dirk

    Mehr zu Susanne und Dirk auf ihrer Website.