Zeichnungen und Objekte im Raum
Ellinor Euler
Die Linie, einst Trägerin klarer Bedeutung und exakt gezeichnet, hat sich in den Werken von Ellinor Euler emanzipiert. Sie ist nicht nur länger Mittel, sondern wird zum Thema, als Spur auf der Fläche, als Bewegung im Raum. In ihren Arbeiten löst sich die Linie von der Zeichnung. Sie tritt in den Raum, wird Körper, wird Material und bildet fragile Gefüge zwischen Sichtbarkeit und Auflösung.
Ihre zeichnerische Praxis gründet auf einfachen geometrischen Grundformen wie dem Dreieck, dem Quadrat, dem Kreis und der Linie. Aus ihnen entwickeln sich im Raum Zylinder, Würfel und offene Strukturen, die sich ausdehnen, sich verbinden, sich durchdringen.
Ihre Materialwahl ist vielfältig. Mit verstricktem Draht entstehen netzartige Gebilde, leicht und durchlässig, an Spinnweben erinnernd. Ein jedes Element darin steht in Beziehung zum anderen; es bildet ein Geflecht, in dem alles mit allem vernetzt ist. Sie laden den Blick des Betrachters ein, durch sie hindurchzuwandern, sich auf dem Weg zu verlieren und wieder neu zu orientieren. Und immer wieder scheint es sich aufzulösen, zu entmaterialisieren.
Es entsteht ein Spiel zwischen Form und Farbe, zwischen Dichte und Leere, zwischen Struktur und Auflösung. Eine jede Bewegung im Raum verändert die Beziehung zwischen dem Werk und seinem Betrachter, auch zwischen den Arbeiten zueinander. Ein ständiger Wechsel zwischen Nähe und Distanz.
Auf ihren vielen Reisen nach Indien erweiterte sich ihre Materialpalette. Es kamen Perlen, Pailletten, unterschiedliche Stoffe und Fundstücke aller Art hinzu. Sie fangen auf ihre eigene Weise Licht ein, reflektieren, flimmern und erweitern die Wand-, Boden und Raumobjekte um eine schillernde Dimension.
Die Ausstellung, in der Werke aus der Zeit von 2010 bis 2026 zu sehen sind, zeigt auch Arbeiten aus Papier, mit Heißkleber gefertigte Bilder und dreidimensionale Objekte, ergänzt um Zeichnungen, auf denen die Linie im Mittelpunkt steht.
Text: Ellinor Euler
Ellinor Euler, in Berlin geboren, studierte Architektur. Bis heute lebt und arbeitet sie in Berlin und Brandenburg. Seit Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit hielt sie sich in Künstlerresidenzen in Indien, USA, in Istanbul, Italien und Marokko auf. Bereichernde Aufenthalte, die eine Vielzahl von Spuren in ihren Arbeiten hinterließen. Gleichermaßen folgten Einzel- und Gruppenausstellungen in Berlin und im Ausland.
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