Wohnmobil-Roadtrip mit Kindern

Unterallgäu: Zu Besuch in Memmingen, in historischen Bauernhäusern und an der Iller

Zu Besuch in Memmingen, in historischen Bauernhäusern und an der Iller

Der Urlaub kann beginnen: In D’Kammer in Illerbeuren

Bevor wir allerdings unser Wohnmobil in Leutkirch beziehen, verbringen wir eine sehr gemütliche erste Nacht bei Julia und ihrer Familie im Bed & Breakfast D‘Kammer in Illerbeuren. D’Kammer ist genau der Ort, an dem man nach einer langen Autofahrt gerne ankommt und Julia genau die Gastgeberin, von der man dann empfangen werden möchte. Sie ist selbst in dem alten Bauernhaus ihrer Großmutter aufgewachsen und hat es vor drei Jahren als Bed & Breakfast liebevoll hergerichtet. Es gibt hier drei hübsche Schlafkammern, Küche und Aufenthaltsraum, Toilette und eigene Dusch-/Waschräume für jede Kammer auf dem Flur. Hier schlafen wir ruhig und gut. Das kuschelige, warme Bettzeug mit hübsch kariertem Bezug erinnert mich an Übernachtungen bei meiner eigenen Oma. Am nächsten Morgen wollen unsere Jungs unbedingt noch vor dem Frühstück draußen Spielplatz, Schuppen und Werkstatt erkunden, die einiges zu bieten haben für Kinder. Man muss sich nur entscheiden, ob man erst baggern oder doch lieber Kettcar fahren möchte. Oder doch lieber zuerst einmal das sehr leckere Bio-Frühstück mit Allgäuer Spezialitäten aus der Region genießt. Wir befinden uns jedenfalls schon komplett im Urlaubsmodus.

Das bäuerliche Leben früher - ein Besuch im Schwäbischen Bauernhofmuseum in IIlerbeuren 

Gleich gegenüber von D’Kammer liegt das Schwäbische Bauernhofmuseum. Auf einem weitläufigen, 12 Hektar großen Gelände bekommt man einen interessanten Einblick in das bäuerliche Leben im Schwaben der letzten 350 Jahre. Im Museumsdorf des Freilichtmuseums sind viele alte Bauernhäuser und handwerkliche Betriebe aus der Gegend originalgetreu wiederaufgebaut. Auch von innen lassen sich die alten Stuben und Betriebe besichtigen, was sehr interessant ist. Wie anstrengend das bäuerliche Leben damals gewesen sein muss! Auch unsere Jungs sind froh, heute zu leben und nicht schon als Kind halte Arbeit auf dem Feld verrichten und nachts ohne Elektrizität in einer kalten Schlafstelle nächtigen zu müssen. 

 

Landwirtschaftliche Nutztiere gibt es hier auch einige zu sehen, worüber sich die Kinder freuen. Und am Ende des Rundwegs warten ein Spielplatz und eine altertümliche Holzkegelbahn. Wer will, kann hier noch einkehren und sich mit schwäbischen Spezialitäten stärken. 

Mittelalterliches Memmingen - ein Stadtrundgang für Erwachsene und Kinder

Heute fahren wir nach Memmingen, um uns die mittelalterliche Altstadt anzusehen. Der Wohnmobilstellplatz, den wir ansteuern, ist praktischerweise sehr altstadtnah gelegen. Durch den Park „Neue Welt“ gelangt man in nur wenigen Minuten zu Fuß in die Altstadt. Vom Stellplatz aus schlendern wir durch die Grünanlage um den Memminger Ach zur Altstadt, die wir durch den 1445 errichteten, damals höchsten Turm der Stadtbefestigungsanlage, den Luginsland, betreten. Wir staunen, wie viele Tore und Türme der mittelalterlichen Stadtbefestigung in Memmingen noch erhalten sind. Wir folgen dem grünen Weg, einer von zwei touristischen Routen zum Selberentdecken der Stadt. Die grüne Route führt durch die Grün- und Befestigungsanlagen der Stadt. An verschiedenen Punkten stehen interessante Infotafeln. So erfährt man einiges über die Stadtgeschichte, auch Kurioses wie die Information, dass in Memmingen mit seiner reformatorischen Geschichte zwei Arten von Maultaschen existieren, die katholischen (mit Fleisch) und die protestantischen (mit Gemüsefüllung). Für Kinder gibt es jeweils ein Quiz. So macht Stadtbesichtigung auch Kindern Spaß. Im Memminger Ach entdecken die Kinder Regenbogenfische. Auf dem Stadtwall gibt es Spielplätze, und Mato, unser 8-Jähriger, findet sieben verschiedene Marienkäferarten, einer schöner als der andere. Wir kombinieren den grünen Weg mit dem roten, der zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Altstadt führt, zu Kirchen, Klöstern, siebendächrigen Gerberhäusern, südländisch geprägten, herrschaftlichen Verwaltungsbauten wie dem Steuerhaus und der Großzunft am hübschen Marktplatz. So lernen wir einiges über die Memmingens Stadtgeschichte. Mit vielen neuen Eindrücken schlendern wir gegen Abend wieder zurück zum Wohnmobil und machen es uns dort gemütlich. 

Kleine Radtour zur Iller-Hängebrücke

Auf der Suche nach einem Stellplatz in der Nähe der Iller, finden wir einen urigen Stellplatz für drei Wohnmobile auf dem Hof eines Bauern in Legau, der selbst Wohnmobilliebhaber ist. Wir parken zwischen Scheune, die die ganz neuen Sanitäranalagen beherbergt, und Rapsfeld, sehr idyllisch. Ganz unkompliziert meldet man sich selbst an und zahlt per Umschlag und Briefkasten. Neben unbegrenzt Strom und Wasser wird man hier gegen kleines Geld auch mit gekühlten Getränken versorgt. Als wir uns installiert haben und gerade losfahren und mit unseren Rädern die Gegend erkunden wollen, werden wir vom Seniorgastgeber begrüßt. Wir kommen nett ins Gespräch und erhalten viele praktische Tipps für unsere kleine Radtour. Später dürfen wir auch die Kühe im Stall besuchen und in einer Feuerschale ein Abendfeuer anzünden. Ein sehr netter Übernachtungsplatz.

Querfeldein radeln wir in Richtung Iller. Über Landstraße und holprige Feldwege kommen wir irgendwann bei einem Wasserwerk an. Daneben liegt die Iller-Hängebrücke, die wir gesucht haben, und ein Aussichtsturm. Ein Beobachtungsbecken für Fische und ein Kneippbecken mit Blick auf die ruhig dahinfließende Iller gibt es hier, direkt am Iller-Radweg auch. Und eine aufwändig konstruierte Fischtreppe, damit auch die Fische das Wasserwerk unbeschadet passieren und ihren Weg entlang der Iller fortsetzen können. Wir schieben über die Hängebrücke und bahnen uns über ein Feld den Weg zur Iller, die hier eine Schleife macht. Eine sehr hübsche Landschaft. Bevor es dunkel wird, fahren wir den Weg wieder zurück zum Stellplatz.

Wanderweg von der Iller-Hängebrücke bei Altusried aus zum Sommersberg

Wir haben immer noch nicht genug von dieser schönen Gegend im Unterallgäu und machen uns am nächsten Tag nochmal auf den Weg zur Iller. Überall lesen und hören wir von Illerschleife, Illerhängebrücken und Illerdurchbruch und versuchen durchzusteigen, was genau was ist und vor allem wo. Zum Glück haben wir noch eine selbstgezeichnete Wanderkarte von Julia aus d’Kammer im Gepäck, mit deren Hilfe wir uns gut orientieren können. Eine Herausforderung im Unterallgäu ist nämlich, die Iller zu finden, wie wir gestern schon gemerkt haben.

Die heutige Wanderung starten wir wieder an einer Hängebrücke, jedoch nicht der von gestern, sondern einer anderen in der Nähe von Altusried. Diese ist nicht weniger imposant und wurde 2007 von ehrenamtlichen Brückenbauern errichtet. Sie führt 84,5 Meter lang über die Iller, die hier ganz ruhig vor sich hinfließt. Danach geht es durch ein schönes Stück Mischwald mit Aussicht auf die Illerschleife. Irgendwann führt der Weg aus dem Wald hinaus über Felder zum Sommersberg, und hier sieht man über grüne Wiesen, auf denen die Kühe grasen, im Hintergrund die Alpen, was unglaublich schön ist. Wir kommen an ein paar Höfen vorbei, sammeln Hagebutten und Mato Grashüpfer, beobachten Kühe und Pferde, bis uns der Weg wieder in ein Waldstück hineinführt.

Info: Mit dem Wohnmobil im Allgäu

Das Allgäu eignet sich hervorragend für eine Rundreise im Wohnmobil. Die Entfernungen sind nicht groß, sodass man gut herumkommt, ohne viele Kilometer zurücklegen zu müssen. In der gesamten Region gibt es eine Vielzahl von Stellplätzen. So hatten wir teilweise die Qual der Wahl, wo wir unsere Nächte verbringen wollten. Alle Stellplätze sind sehr gut ausgestattet: mit Stromanschluss, Wasserversorgung und Entsorgung von Grau- und Schwarzwasser und teilweise auch mit eigenen sanitären Einrichtungen. Um Stellplätze zu finden und eine Wohnmobilrundreise durchs Allgäu zu planen, können wir die App Park4Night empfehlen.

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Autor
Wir sind Jenny und Andi und gemeinsam betreiben wir den Familien-Reiseblog Travelisto (https://www.travelisto.net).  © Travelisto

Jenny und Andi - Travelisto

Travelisto

Wir sind Jenny und Andi und gemeinsam betreiben wir den Familien-Reiseblog Travelisto. Schon immer sind wir gerne gereist und waren sportlich unterwegs, was sich auch mit unseren beiden Jungs Milan (11) und Mato (8) nicht geändert hat.

Auf Travelisto.net berichten wir über unsere Reisen durch Deutschland, Europa und die ganze Welt, aber auch über Ausflüge in die nähere Umgebung. Da wir uns nicht auf eine Art des Reisens festlegen wollen, konnten wir in den letzten Jahren einiges erleben. Von Camping über Roadtrips und Rucksackreisen bis Hotelreisen war so ziemlich alles dabei. Auf unserem Blog erzählen wir Geschichten von unterwegs, zeigen Fotos und Videos und geben konkrete Tipps und Anregungen. Zu hören sind wir zudem in unserem Podcast, in dem wir regelmäßig Episoden über unsere Reiseerfahrungen veröffentlichen.

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