Osterbräuche im Allgäu

Der Palmsonntag gehört zu den gelebten religiösen Bräuchen im Allgäu und läutet als letzter Sonntag vor Ostern die Karwoche ein. Man erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, der mit Palmzweigen als Fürst des Friedens und der Gerechtigkeit geehrt wurde.
Auch heute noch erinnern Gläubige an diesen Brauch: Vielerorts werden sogenannte Palmen, Palmbuschen oder Palmboschen gebunden: Da es nördlich der Alpen keine Palm- und Olivenzweige gibt, behilft man sich mit anderen immergrünen Zweigen. Sie enthalten sieben verschiedene Pflanzen: Buchs, Thuja, Tanne, Fichte, Weidenkätzchen, Eibe, Wacholder. Werden sie an Holunder- und Haselnussruten gebunden, kommt man auf die Zahl neun, eine sakrale Zahl.
Im Allgäu finden sich zwei Formen der Palmen: eine gotische, länglich-ovale Form so wie die barocke, eine große runde Form, auf Haselnussruten gebunden und mit einem Holzkreuz fixiert. Hinzu kommt die Palmbrezel, das typische Gebildebrot, welches in früheren Zeiten von den Paten für das Patenkind gebacken wurde. Das Gebildbrot bestand im Gegensatz zum normalen Gebäck nicht aus Roggen-, sondern aus dem teureren Weißmehl und anstelle Salz ist die Brezel mit Zucker bestreut.
Die geweihten Palmbuschen sollen übrigens Haus und Hof vor Schaden bewahren und geweihte Palmkätzchen werden dem Vieh verfüttert um auch für sie den Segen zu erbitten. So findet man im Herrgottswinkel ebenso kleine Palmzweige wie die großen Buschen vor dem Haus. Hier sind sie meist mit Ostereiern zu einer barocken Form gebunden.

Allgäuweit: Vielerorts werden zudem kleine Palmzweige vor dem Gottesdienst zu Palmsonntag gegen eine Spende angeboten.