Scheidegg - PORTALORT DER WANDERTRILOGIE ALLGÄU

"Margit und Fehl" leben den Traum vom eigenen Café

Ein eigenes Café im Allgäu eröffnen: Wer von uns hat nicht schon einmal insgeheim damit geliebäugelt? - Eine tolle Einkehrmöglichkeit auf der Wandertrilogie Allgäu

Margit (60) und ihre Tochter Tanja (38) Lingg haben sich diesen Traum verwirklicht. Die beiden betreiben seit sieben Jahren erfolgreich das schnuckelige "Margit und Fehl" in Scheidegg, einem Portalort der Wandertrilogie Allgäu im Westallgäu. Mit viel Liebe zum Detail haben sie ein denkmalgeschütztes Benefiziatenhaus in eine heimelige Gaststube verwandelt. Hier sieht alles aus wie in einer Stube zu Omas Zeiten. Jeden Tag warten zehn selbstgebackene Kuchen und Torten auf die große Schar hungriger Gäste. Doch wie haben die beiden geschafft, wovon andere ihr Leben lang nur träumen? Margit und Tanja haben allgaeu.life ihr Geheimrezept verraten.

Wenn Margit und Tanja um 13 Uhr die rote Holztüre an ihrem zierlich geschindelten Haus öffnen, kommen schon bald die ersten Gäste. Viele Stammkunden sind darunter, aber auch Urlauber oder Patienten der umliegenden Kliniken. Das Café "Margit und Fehl" (Allgäuerisch für Tochter) hat sich längst zu einem Geheimtipp gemausert. Darauf sind die beiden Inhaberinnen und ihre insgesamt 15 Mitarbeiterinnen stolz wie Oskar. Nicht jedem, der sich in der Gastronomie versucht, ist schließlich dieses Glück beschieden. 

Die Linggs haben mit Hilfe ihrer Familie und vieler Freunde und Bekannte hart gearbeitet, um sich ihren Traum von der Selbstständigkeit zu verwirklichen. Geballte Frauenpower, das merkt der allgaeu.life-Reporter sofort, ist eine der Zutaten dieser Erfolgsstory. Die weiteren verraten Margit und Tanja bei einer Tasse Cappuccino und einem wunderbarem Zwetschgenkuchen ihrer Oberbäckerin Doris. Vielleicht hilft ihr Geheimrezept für eine erfolgreiche Gastronomie ja dem einen oder anderen weiter....  

Location&Bauchgefühl: Das Benefiziatenhaus nahe der Pfarrkirche St. Gallus hat eine bewegte über 200-jährige Geschichte hinter sich. Doch als Café wurde es noch nie genutzt. Zuletzt diente es dem Gemeindereferenten als Wohnsitz.

Margit Lingg kannte ihn gut. Denn sie arbeitete als Hausmeisterin und "Mädchen für alles" für die Pfarrei. Als der Gemeindereferent versetzt wurde, brachte er sie auf eine Idee: "Mach doch ein Café auf. Du bist doch ohnehin immer für unsere Veranstaltungen zuständig." Ein lockerer Spruch stand somit am Beginn einer gastronomischen Karriere.

Tean Café Margit & Fehl

Margit ließ sich das Ganze duch den Kopf gehen - und packte an! Mit ihrer Tochter, die als Kellnerin und Rezeptionistin Erfahrung hatte, erwarb sie das Haus und setzte alles auf eine Karte: "Man muss auf sein Bauchgefühl hören. Das ist ganz wichtig. Wenn man so eine Entscheidung trifft, darf man sich von niemand mehr abhalten lassen."

Finanzen&Buchhaltung: Die Linggs haben gerade zu Beginn mit spitzem Bleistift gerechnet. Gemeinsam mit Margits weiterer Tochter Dagmar, die BWL studiert hat, wurde ein Businessplan entworfen. "Man darf nichts beschönigen, sondern muss sich den Tatsachen stellen", sagen sie. Die Linggs hielten sich voll an den Plan, rechneten genau ab, verglichen die Zahlen, zogen ihre Schlüsse. Diese Disziplin sei nötig, um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.  

Phantasie&Pragmatismus:  Die beiden Begriffe scheinen auf den ersten Blick nicht so recht zu einander zu passen. Doch wie man sie vereinen kann, zeigen die Linggs. "Wir haben einen ähnlichen Geschmack. Das hilft enorm", sagen die beiden schmunzelnd. Von Anfang an war ihnen klar, wie ihr Café aussehen sollte:  "Wir wollten einen Ort, der das alte Allgäu verkörpert", sagt Margit.

Inneneinrichtung Café Margit & Fehl

Das Benefiziatenhaus mit seinen Holzvertäfelungen bot den passenden Rahmen. Bei der Renovierung und der Wahl der Einrichtung bewiesen sie, dass man mit Cleverness und Kreativität viel bewirken kann. Einen Teil der alten Stühle beispielsweise holten sie vom Wertstoffhof - und bemalten sie neu. Anderes Mobiliar stellten Freunde und Bekannte zur Verfügung. Sie wussten: Den Linggs wird schon das passende einfallen, damit sich alles am Ende zu einer Einheit fügt.     

Qualität&Regionalbezug: Hochwertige Ware aus der Region - darauf setzen Margit und Tanja, weil es ihnen als Allgäuer ein Bedürfnis ist. Milch und Fleisch kommen beispielsweise vom Bioland-Bauern aus Scheidegg, Mehl aus der Weißachmühle. Für die Kaffeegetränke verwenden sie zum Teil fair gehandelten Kaffee, der im Allgäu geröstet wird.

Neben Kuchen und Torten in allen erdenklichen Variationen (z.B. Eierlikör-Preiselbeere, Schoko-Sahne mit Rum oder Himbeer-Käsesahne) gibt es täglich auch ein Mittagsgericht. Margit kocht dabei gerne Allgäuer Suppen und Eintöpfe, die sie auf ihre eigene Art würzt und verfeinert. "Die Menschen entdecken die traditionelle Küche wieder. Sie schätzen diese Gerichte besonders", erklärt Margit. Das Café eignet sich ideal für einen Einkehrschwung während einer Wanderung auf der Wandertrilogie Allgäu von Weiler-Simmerberg aus.

Kaffee und Kuchen im Kaffee

Personal&Teamfähigkeit: Margit und Tanja haben ihre Rollen klar verteilt. Die Mutter ist für Buchhaltung und Organisation zuständig. Die Tochter für den Servicebereich und den Einkauf. Ihr Team ist mittlerweile auf 15 Mitarbeiterinnen angewachsen, drei davon sind fest angestellt. Was sofort auffällt: Alle duzen sich, sind gut gelaunt und nie um einen lockeren Spruch verlegen. "Das Personal findet sich so, wie Du selbst bist. Wir haben Leute um uns geschart, die zu uns passen - und umgekehrt ist es genauso", erklärt Tanja das Erfolgsrezept.

Freundlichkeit&Service: "Es gibt keinen schlechten Tag", davon sind Margit und Tanja überzeugt. Und genau diese Einstellung leben sie vor. "Freundlichkeit hat absolute Priorität", sagt Tanja. Das gilt auch für den Umgang untereinander im Team: "Es geht nur Hand in Hand", sagen die Macherinnen.   

Flexibilität&neue Ideen: Ähnlich wie beim Kochen oder Backen sind die Linggs kreativ und flexibel. Das muss auch so sein, denn in der Gastronomie lässt sich längst nicht alles planen. Anfangs boten die beiden zum Beispiel ein Frühstücksbuffet an. Als es nicht wie gewünscht lief, verfeinerten sie ihr Konzept nach und nach auf das heutige Angebot.

"Man kann nicht jedem gerecht werden", sagen die beiden. "Es ist wichtig, Schwerpunkte zu setzen - sonst übernimmt man sich", bringen sie ihre Erfahrungen auf den Punkt. "Und davon hat am Ende keiner was. Auch nicht der Gast. Wenn die Wirtsleute matt sind, kommt er nicht wieder", sagen sie lachend. Statt in Routine zu verfallen, haben sie Spaß daran, Neues auszuprobieren. Für diesen Sommer ist bereits die eine oder andere Überraschung im Gespräch. So viel sei verraten: Sie könnte mit Grillen zu tun haben...

Tipp: Verbinden kann man einen Besuch des Cafés in Scheidegg mit einer Wanderung auf der Wandertrilogie Allgäu oder durch die Scheidegger Wasserfälle.

Info: Das Café Margit und Fehl im Pfarrweg 2 in Scheidegg hat von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Telefon: 0 83 81/891 61 99.

Bilder
Autor
Tobias Schuhwerk

Tobias Schuhwerk

allgaeu.life

Tobias Schuhwerk (Jahrgang 1974) leitet seit August 2016 das Team von allgaeu.life. Ideen für Geschichten fallen ihm beim Laufen und Schwimmen ein. Für seine Reportagen wurde er mit dem  Theodor-Wolff-Preis sowie dem deutschen Lokalsportpreis ausgezeichnet. 

Was ich am Allgäu schätze: "Berge und Bodensee liegen quasi vor der Haustüre - das Prinzip der kurzen Wege gilt auch in allen anderen Lebenslagen."

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