Güsse für zu Hause - Der Guss - ein Genuss.

Es gibt Menschen, die sind süchtig danach. Sie kommen mehrfach jährlich ins Allgäu, um sich von einem Kneipp-Bademeister begießen zu lassen. Einige Anwendungen eignen sich auch für zu Hause. Eine Auswahl

EIN KICK ZWISCHENDURCH: DER ARMGUSS

Der Oberkörper wird entblößt, und die Arme werden über ein Becken gehalten. Wir beginnen die Begießung an der rechten Hand und führen den Wasserstrahl über den Handrücken den Arm hinauf bis zur Schulter. Hier wird einige Zeit verweilt, so dass das abfließende Wasser in einem breiten Mantel den Arm umströmt. Dann wird der Strahl den gleichen Weg wieder zurückgeführt und der linke Arm begossen. Beim nächsten Wechsel geht der Wasserstrahl nunmehr über die Innenfläche der Hand an der Innenseite des Armes hinauf und hinunter. 2 x wiederholen. Einfachsterweise kann der Armguss unter einem fließenden Wasserhahn genommen werden.

Wirkung: Des Armgusses regt vor allem das Herz-Kreislauf-System an. Wenn man zu kalten Händen neigt und zu rheumatischen Schmerzen ist der Armguss eine Wohltat. Ferner wirkt er auf nervöse Störungen, bei Benommenheit und Schwindelgefühl.

DER MACHT BEINE: DER SCHENKELGUSS

Man entkleidet sich bis zur Gürtellinie, behält jedoch die Oberkörperkleidung an etwa einen Bademantel, um Wärmeverlust zu vermeiden. Der Guss beginnt rückwärts am rechten Fußrand. Von hier führt man den Wasserstrahl an der Außenseite des Beines bis zur Hüfte, von wo man das Wasser über das Bein hinabfließen läßt, dann Abwärtsgang an der Innenseite des Schenkels bis zur Ferse. In gleicher Weise erfolgt nun links, vom äußeren Fußrande aufwärts bis zur Hüfte, die Begießung des linken Schenkels. Es wird dann unterhalb des Pos zur rechten Seite gewechselt, dann wieder zurück zum linken Schenkel. Abwärtsgang an der Innenseite des linken Schenkels bis zur Ferse. An der Vorderseite führt man die Begießung rechts und links bis zur Leistenbeuge durch.

Wirkung: Der Schenkelgusses zielt vor allem auf die Unterleibsorgane und regt die Zirkulation mächtig an. Der Schenkelguss lindert bei Krampfadern, Rheumatismus, Ischias und Beschwerden am Hüftgelenk. Der Guss kann auch als kalt-warmer Wechselguss durchgeführt werden.

FÜR DIE SCHÖNHEIT: DER GESICHTSGUSS

Man beugt sich leicht nach vorne und stützt dabei die Hände auf, um den Hals legt man ein Handtuch. Mit abgeschwächtem Gießstrahl beginnt man rechts unterhalb der Schläfe und umkreist langsam das Gesicht. Dann wird der Strahl mehrere Male über die Stirne geführt, gießt in langsamen Strichen hinab zum Kinn das ganze Gesicht ab. Die Beendigung des Gusses erfolgt mit einer ovalen Begießung des Gesichtes. Danach: abtrocknen.

Wirkung: Die Anregung der Hautzirkulation des Gesichtes ist bemerkenswert, deshalb nennt man den Gesichtsguss auch Schönheitsguss. Bei geistiger wie körperlicher Ermüdung wirkt er sehr erfrischend, besonders bei Ermüdung der Augen. Bei Migräne, auch zur Linderung der Zahnschmerzen, kann dieser Guss ebenfalls in Frage kommen.

DER IMPULSGEBER: DER KNIEBLITZ

Man muss sich entkleiden, höchstenfalls der Oberkörper bleibt bis zum Po mit einem Bademantel bedeckt. Nachdem die richtige Druckstärke des Gusses eingestellt ist,  beginnt der Guss mit einem Sprühregen und von der Rückseite. Es wird der Fußrücken rechts seitlich einmal begossen, dann führt man den kräftigen Wasserstrahl an der Wadenmuskulatur seitlich aufwärts bis über die Kniekehle und von dort zur Innenseite des Unterschenkels bis zur Ferse zurück. In gleicher Weise werden der linke Fuß und Unterschenkel begossen und je nach Verträglichkeit das Ganze ein- bis dreimal wiederholt. Dann werden beide Unterschenkel „abgepeitscht“. Das ist ein Auf- und Abwärtsstreichen mit dem Wasserstrahl über die begossenen Partien. Danach geht der Blitzstrahl am rechten Fuß beginnend, seitlich über die Wade bis zur Kniescheibe, umkreist das Kniegelenk in zwei bis drei kleinen Bögen und geht dann an der Innenseite des Unterschenkels zum Fuß zurück. Desgleichen am linken Bein. Zum Schluss werden abwechselnd die Fußsohlen abgeblitzt werden können.

Wirkung: Der Knieblitz ist ein intensiver, kräftiger Impuls. Er wird auch im Wechsel gegeben.

DER SPARRINGSPARTNER: DAS WECHSELBAD

Die Temperatur des warmen Bades beträgt 35-40 Grad Celsius, die des kalten bis 15 Grad Celsius. Man stellt die Füße oder legt die Arme bis zu fünf Minuten ins warme Wasser und für fünf bis zehn Sekunden ins kalte. Der Wechsel erfolgt zwei- bis dreimal unmittelbar nacheinander, der Beginn jedoch stets mit dem warmen und der Abschluss immer mit dem kalten. Das warme Wasser muss aber während der ganzen Übung auf der gleichen Temperaturhöhe gehalten werden. Im allgemeinen trocknet man sich auch nach den Wechselbädern nicht ab, sondern sorgt für reaktive Erwärmung durch Bettruhe oder Bewegung.

Wirkung: Wechselbäder sind Übungsmittel für Herz und Kreislauf. Infolgedessen ist die Reizwirkung besonders stark. Kreislauf, Atmung und Nervensystem werden gefordert.

EINE WOHLTAT DER VERWEICHLICHUNG: DAS VOLLBAD

Temperatur 35-37 Grad Celsius. Gewöhnliche Dauer fünf bis zwanzig Minuten. Kommt es zu Herzklopfen, so kann mit kühlen Kompressen auf die Stirne oder mit kalter Abwaschung der Arme entgegengewirkt werden. Warme Vollbäder werden entweder zur Reinigung oder als Kräuterbad verabreicht. Man darf sie wegen der Gefahr der Verweichlichung nicht zu oft nehmen. Nach dem Bad erfolgt stets eine kalte Anwendung, entweder eine Waschung oder ein Guss.

Wirkung: Die Hautgefäße werden erweitert, das Herz muss stärker arbeiten. Es kommt zu einer Wärmestauung. Häufig tritt im Bade oder im Anschluß daran Schweißausbruch ein. Kräuter- oder Badezusätze erhöhen die Wirkung.

Heublumen- und Haferstrohbäder – eignen sich bei Stoffwechselstörungen, Gicht, Rheuma, Sehnen- und Gelenkschmerzen.

Fichtennadelbäder und Salzbäder sind gebräuchlich bei Erkrankung der oberen Luftwege und bei Nierenentzündungen. Auf Nervöse wirkt das Fichtennadelbad, aber auch das Haferstrohbad beruhigend; jedoch darf die Temperatur nicht über 34 Grad Celsius betragen.

Salzbäder werden mit Erfolg verwendet bei Hautausschlag, bei Masern und Scharlach; ferner sind sie auch bei Asthma gebräuchlich.

EINE SCHÖNE ERGÄNZUNG: DER HEUSACK

Man nimmt ein Leinensäckchen und füllt es etwa zu Dreiviertel mit Heublumen. Dann wird es mit kochendem Wasser übergossen und das Gefäß zugedeckt. 5 bis 10 Minuten sieden (nicht mehr kochen!), dann das Säckchen auspressen – etwa zwischen zwei Brettern – , bis es nicht mehr tropft. Bevor man das Säckchen auflegt, kurz prüfen, dass es nicht zu heiß ist. Dann wird das Heusäckchen aufgelegt, man schlägt sich in Tücher ein und bleibt 45 bis 90 Minuten liegen.

Wirkung: Der Heusack wirkt lindernd bei vielen Erschöpfungszuständen, bei Muskelkater und Gelenkschmerzen. Man nennt ihn auch das Morphium der Naturheilkunde.

Autor
Kontaktbild Susanne Baade und Dirk Lehmann

Susanne Baade und Dirk Lehmann

Im Expeditionsschiff in die Antarktis und per Helikopter über Australien, Wanderung zu einem Kloster in Nepal und Besuch im Luxushotels in Paris, Trekkings durch Kanada und Achtsamkeitsübungen im Allgäu – zu reisen, zu fotografieren, die Welt zu erzählen: Das ist unser Beruf, unsere Berufung. Lange haben wir als Redakteure namhafter Magazine im Hamburger Verlag Gruner+Jahr gearbeitet, seit einigen Jahren berichten wir nun für das Allgäu aus dem Allgäu. Hier haben wir besondere Menschen kennen gelernt, faszinierende Momente erlebt und eine Natur, die uns immer wieder begeistert. Wir sind dankbar für jedes dieser Abenteuer. Und dafür, dass Sie uns begleiten! Susanne&Dirk

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