Guter Geschmack ist zeitlos – so sollt ihr essen!

Mit seinen Ernährungstipps war Sebastian Kneipp seiner Zeit weit voraus: Er setzte auf Nachhaltigkeit, Aufmerksamkeit und abwechslungsreichen Genuss

Wie sinnvoll können die Rezepte von jemandem sein, der vor mehr als 150 Jahren gelebt hat? So möchte man fragen, wenn es um Ernährungstipps nach Sebastian Kneipp geht. Die Antwort ist verblüffend: Man muss in größeren Zusammenhängen denken.

Sie leiden nicht an typischen Zivilisationskrankheiten, ihre Lebenserwartung ist höher, und sie bleiben im Alter länger fit. Doch warum? Um hinter das Geheimnis der japanischen Mönche zu kommen, besucht eine Gruppe westlicher Experten ein Zen-Kloster. Nach einiger Zeit sind die Gäste ratlos. „Ihr lebt wie wir, ihr arbeitet, ruht und esst wie wir…“ Die Mönche nicken freundlich und widersprechen sanft. Ihr habt uns nicht zugeschaut: Wenn wir ruhen, dann ruhen wir. Wenn wir arbeiten, dann arbeiten wir. Wenn wir essen, essen wir. Mit diesem Exkurs über Fokussierung in einem Zen-Kloster erklärt Franz Angerer, warum es im Bad Clevers Gesundheitsresort & Spa feste Tischzeiten gibt. Und warum es begrüßt wird, wenn die Gäste zum Essen ihr Smartphone auf dem Zimmer lassen.

Zen und Kneipp – es ist immer wieder verblüffend, wo sich Gemeinsamkeiten in diversen Lehren zeigen. Der Mensch, die Natur, die Ordnung der Dinge, der Lauf des Lebens. In der Lehre des Sebastian Kneipp findet man keine Rezepte, und Kneipp gibt auch keine Tischzeiten vor. Aber in seiner Lebensordnung beschreibt er, dass man sich nicht ablenken lassen solle. Und dass man Maß halten möge. Schon damals ahnte Kneipp einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Stoffwechselerkrankungen, Diabetes und Gicht. Er riet seinen Patienten zu Vollkornprodukten, zu regionalem Gemüse und frischem Obst. Er war einer der ersten Flexitarier, er empfahl wenig Fleisch zu essen, auf Genussmittel wie Kaffee und Alkohol zu verzichten.

Von Kneipp inspiriert: Das Essen erleben die Gäste in Gemeinschaft

Franz Angerer interpretiert diese Vorgaben als Mahnung vor dem Übermaß. Und so wird es auch im Familienbetrieb der Angerers umgesetzt. Für alle drei Mahlzeiten können die Gäste im Bad Clevers Gesundheitsresort und Spa aus verschiedenen Optionen wählen, mal liegt der Fokus der Speisen auf ballaststoffreicher Kost, mal auf Gemüse. Mittags gibt es immer ein vegetarisches Menü, und abends isst man immer in der Gruppe. Die sinnstiftende Kraft der Gemeinschaft ist etwas, das die Gäste schon nach kurzer Zeit schätzen. Das gemeinsame Essen, die Konzentration auf die Speise – als therapeutischer Ansatz.

Im Bio-Hotel Eggensberger werden ebenfalls Tischzeiten vorgegeben. Sie dienen allerdings eher als Zeitrahmen. Was die Zutaten für die Speisen betrifft, gelten im großartig über dem Hopfensee gelegenen ersten Bio-Hotel des Allgäus klare Vorgaben. Biozertifiziert müssen sie sein, möglichst aus der Nachbarschaft stammen. Was anfangs gar nicht so leicht war, präsentiert sich inzwischen auf der Höhe der Zeit. In der Region hat sich ein engmaschiges Netz von Produzenten etabliert, die Restaurants und Hotels mit Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Milch und Käse aus nachhaltiger Landwirtschaft versorgen.

Auch hier tut sich eine verblüffende parallele zu Kneipp auf. Mitten in der ersten Hochphase der Industrialisierung in Deutschland rief er dazu auf, sich mit dem Anbau von Obst und Gemüse zu beschäftigen. Kneipp selbst hat in Bad Wörishofen die Bewässerung der Felder verbessert, die Zucht von Tierrassen angeregt, Kräuter angebaut – und ihre Wirksamkeit erforscht. Die Hinwendung zum naturnahen Genuss eint auch die zeitgenössischen Protagonisten der Kneipp-Bewegung. Das Bio-Hotel Eggensberger hat für seine Gäste eine vollständige Liste aller Lebensmittellieferanten online gestellt. Und die Köchin im Bad Clevers Gesundheitsresort und Spa zieht es an diesem herrlichen Frühsommermorgen in den üppig grünen Kräutergarten, sie sucht weitere Zutaten für das Abendessen.

Das Essen ergänzt die Köchin mit Zutaten aus dem Hotel-Garten

Später steht sie in der Küche und liest die Kräuter aus. Es duftet großartig. Für das Menü hat sie als Vorspeise einen Strudel von geräucherter Forelle auf Rettich-Gurken-Carpaccio und Wildkräuterblattsalat vorgesehen. Der Hauptgang: Mit Bulgur gefüllte Kohlrabi an glacierten Fingermöhrchen und Kartoffeln mit Kräuterpesto. Und was zum Dessert schlicht Erdbeercreme heißt, entpuppt sich als eine verheißungsvolle Kreation mit frischen Früchten und zart-knusprigen Crêpes. Wie schön, dass uns Köchin Christina Eggensberger ihr Rezept zur Verfügung stellt. Gesunde Ernährung nach Kneipp, zeitgemäß interpretiert.

Service

Kneipp. Die Ur-Kraft aus dem Allgäu – Die Website zu 200 Jahre Kneipp.

Gesundheitsresort und Spa. Das Bad Clevers mit Park und eigener Quelle.

Bio-Hotel Eggensberger am Hopfensee. Vier-Sterne-Hotel mit Wellness-Abteilung und Seeblick.

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