Barhocker aus Bethlehem im Allgäu und andere Drechslereien

Bethlehem und Weihnachten gehören zusammen: Im Land der Bibel gelegen, verbunden über das Weihnachtslied „Zu Bethlehem geboren“ oder eine Krippendarstellung

Aber Bethlehem im Allgäu, in dem auch noch Barhocker für Kreuzfahrtschiffe per Hand gefertigt werden? Ja, das gibt´s! In diesem so weihnachtlich assoziierten Dorf lebt und arbeitet seit nunmehr dreißig Jahre Martin Adomat, der ein heute selten gewordenes Metier beherrscht: Das Drechseln. Ein aussterbender Traditionsberuf, wie Meister Adomat sagt. Vor 30 Jahren machte er sich mit seiner Schreinerei und Drechslerei selbständig. In dieser Zeit waren beispielweise noch gedrechselte Balkongeländer modern. Allerdings musste er im Laufe der Jahre seine Werkstatt verkleinern und Personal abbauen. Er bildete keine Lehrlinge mehr aus, denn anstelle gedrechselter Treppengeländer waren allenfalls noch einfache Rundstäbe gefragt, wenn sie nicht sogar aus Metall gefertigt werden.

Das Allgäu überraschend anders!

Aber er gab nicht auf, suchte sich neue Auftraggeber und lebt heute fast ausschließlich von Drechselkursen und Sonderaufträgen. Einer davon sind Barhocker verschiedenster Ausführungen. Auftraggeber ist ein Allgäuer Betrieb, die Vereinigten Holzbau Betriebe in Memmingen. Sie wiederum beliefern unter anderem die Meyer Werft in Papenburg, wo riesige Kreuzfahrtschiffe gebaut werden.

Rohlinge Barhocker aus Bethlehem

Allerdings ist das Holz für die Barhocker kein heimisches, Allgäuer Holz – das wäre zu schön. Die Memminger liefern Klötze aus Teakholz an, das Holz stammt aus Plantagenzucht in Burma. Aus Zeichnungen seines Auftraggebers fertigt er dann in 14 Arbeitsgängen die gewünschten verschiedene Barhocker. Teak-Holz ist seewasserbeständig und so sind die Hocker für die beliebten Outdoorbars geeignet.

Barhocker aus Bethlehem im Allgäu

Leider sind die Barhocker nicht mit Markenzeichen versehen, so lässt sich nicht ermitteln ob man auf einem im Allgäu in Auftrag gegebenen und gefertigten Holzbarhocker sitzt! Für mich wäre es ein Traum, wenn Allgäuer Hotels sich des Traditionshandwerk aus dem Allgäu bedienen und aus heimischen Holzarten Barhocker drechseln lassen. Ganz im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung unseres Lebensraumes.

Bearbeitung Barhocker

Aber wer möchte, darf gerne bei Martin Adomat drechseln, und das natürlich mit heimischen Holz. Passend zur Weihnachtszeit zum Beispiel einen Nussknacker oder Engel. Die Kurse sind stark nachgefragt, nicht nur unter deutschen Teilnehmern. Gäste aus ganz Europa reisen an, sogar eine Delegation aus dem Iran. Dann steht ein professioneller Übersetzter zur Verfügung. Adomat verreist aber auch gerne, so nach Italien und Frankreich, gibt Kurse und tauscht sich mit seinen europäischen Kollegen aus. In seiner Werkstatt bearbeitet er vorwiegend heimisches und auch seltenes Holz wie Eibe. „Wenn ich für mich arbeite, kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen und Dinge herstellen, die mich herausfordern. Jedes Holz ist anders, will nach seiner Art behandelt werden“, meint er. Seine Werke kann man zum Beispiel auf dem Bethlehemer Weihnachtsmarkt erwerben. Und natürlich in seinem Holzlädele.

Gedrechselte Arbeiten

Bei seinen Kursen kann man übrigens selbst zwischen Holzarten wie Ahorn und Elsbeere wählen. Elsbeere ist das teuerste europäische Holz und wurde früher häufig verwendet. Mittlerweile gibt es diese langsam wachsende Holzart in Deutschland kaum noch. Für die Forstwirte ist der Baum wohl nicht so lukrativ und so kommt das Holz aus Österreich. Ich war schon Gast bei seinem Drechselkurs in Bethlehem im Allgäu und habe mir aus Elsbeere einen Nussknacker aus drei Teilen gedrechselt.  Zum Schluss wird das fertige Stück mit Öl behandelt – gerne mit Walnussöl. Ich denke mir wie teuer dies schon ist, wenn man es in der Küche verwendet. Aber ich muss sagen, als nach der Veranstaltung mein Nussknacker aus Elsbeere fertig ist und ich das Walnussöl auftrage – es riecht unnachahmlich gut! Allein die Wärme des Holzes, die Farbe und der Geruch haben dazu geführt, dass ich einen neuen Kurs gebucht habe.  Arbeiten, insbesondere Drechseln mit Holz – eine schöne Tradition, ein Stück Kultur.

Übrigens sind seine Werke bei der Bethlehemer Dorfweihnacht vom 02. bis zum 04. Dezember 2016 zu bewundern. Ein besonderes Highlight ist die von Martin Adomat gedrechselte lebensgroße Krippe. Romantisch ist es aber auch auf anderen  Weihnachtsmärkten im Allgäu

Bilder
Autor

Simone Zehnpfennig

Allgäu GmbH

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