Naturheilverfahren im Allgäu

Euphorisierendes HEILFASTEN

Kein Stimmungsaufheller, der, einmal aus dem Staniolpapier befreit, süß auf der Zunge zergeht. Aber mit ähnlicher Wirkung: Beim Heilfasten werden im Gehirn die Transportstrukturen des Glückshormons Serotonin verändert.

Einfacher ausgedrückt: das Fasten-High ist ein Erlebnis. Vor etwa hundert Jahren eröffnete der Arzt Otto Buchinger (1878 – 1966) seine erste Fastenklinik.

Heilfasten bedeutet einen bewussten Verzicht auf Genussmittel wie Nikotin und Alkohol, Kaffee und Schokolade. Allein der Gedanke ist eine Herausforderung für den snackverwöhnten Schreibtischathleten. Noch dazu, wo er beim Heilfasten nur ungesüßten Tee, Saft oder Brühe zu sich nehmen soll. Eventuell etwas Honig oder Zitronenschnitze.

Überraschenderweise lässt das Hungergefühl nach einigen Tagen nach. Der Körper beginnt, sich aus seinen eigenen Vorräten zu verköstigen, indem vermehrt Eiweißreserven angetastet, später Körperfett in Energie umgewandelt wird. Etwas später beginnt Entsorgung schadhafter Zellmoleküle und Substanzen (Entschlackung) – ein heilsamer Prozess, der durch die Nährstoffknappheit begünstigt wird. Und für dessen Nachweis der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi 2016 den Nobelpreis für Medizin bekommen hat.

Beim Heilfasten werde im Körper eine Art Reset-Taste gedrückt, sagt Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité dem Magazin SPIEGEL Wissen. Schon Hippokrates habe seine Patienten in der Antike zu Fastentagen animiert: „Wer stark, gesund und jung bleiben will, heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“ Die zeitlich begrenzte Askese stärkt das Immunsystem, senkt den Blutdruck und soll Erkrankungen wie Rheuma, Allergien, Neurodermitis oder Asthma lindern.

Eine milde Variante des Heilfastens ist das Basenfasten, bei dem – meist ein oder zwei Wochen lang – auf alle tierischen Nahrungsmittel verzichtet wird. Anders als beim traditionellen Heilfasten darf man essen – solange die gewählten Speisen aus Obst, Gemüse, Kräutern und frische Keimlingen bestehen.

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