Liederabend Wellnesshof Soyer

Achtsamkeit Allgäu – das Glück, sein Glück zu teilen

Ein gutes Essen an einer langen Tafel, ein Krug Bier aus der nahen Brauerei, und plötzlich holt jemand die Gitarre hervor und spielt ein Lied. Was mancherorts manchem peinlich wäre, hat im Allgäu etwas ganz selbstverständliches.

Und plötzlich zeigt sich, dass es gut tut, sich von seinen Klischees zu lösen, herzlich Gemeinschaft zu erleben. Wer achtsam im Allgäu reist, findet viele Gelegenheiten, solche Momente zu erleben. Zum Beispiel in der Nähe von Rettenberg. Zwischen dem berühmten Brauerei-Dorf und dem 1.737 Meter hohen Grünten lädt der Wellnesshofs Soyer zu einem Liederabend…

Als Städter ist man manchmal ein wenig, nun ja, snobby. Und als am ersten Abend die Gastgeberin im Bauernhof Soyer zum Liederabend einlädt, nicken wir zwar freundlich. Aber wir hoffen vor allem, dass es bei dieser einmaligen Aufforderung bleibt. Ein Liederabend!?! Hej, wir kommen aus der Metropole. Da geht man in den Club, wenn man Musik hören will. Oder man fährt U-Bahn, dicke Kopfhörer auf den Ohren, ein Leben im Soundtrack…

Doch dann passiert es. Zurück von einer Wanderung und einem ungewohnt frühen Abendessen (in der Stadt essen wir selten vor 20 Uhr, hier sind wir aber immer schon gegen 18 Uhr soooo hungrig), wollen wir uns noch ein Feierabend-Bier to go aus dem Kühlschrank im Gastraum holen. Und tapsen mitten hinein in den Liederabend. Es wird ein Abend, der vieles ändert.

„Pelu“ spielt bayerisches Liedgut. Ja, wir müssen immer wieder fragen, was das eine oder andere Wort bedeutet. Doch der Peter-Ludwig Soyer, der Mann an der Gitarre, spielt virtuos und mit Hingabe. Man lacht viel über die frechen Texte. Und im Verlaufe des Abends versieht Pelu seine Lieder hin und wieder mit hoch-deutschen „Untertiteln“. So lachen auch wir. Die Gastgeberin bringt Zötler Bier aus dem nahen Brau-Dorf Rettenberg und gießt Honigschnaps in die Stamperl.

Es entwickelt sich ein herzlich-fröhlicher Abend, wie wir ihn nur aus der Fernsehwerbung kennen. Und erst als es von den Gastgebern heißt, man müsse morgen ja früh raus, die Tiere versorgen, die Arbeit warte, wird uns klar, dass wir die letzten sind, die hier noch an der langen Tafel sitzen – und auch noch ein Weilchen sitzen geblieben wären… Macht doch nix, entgegnen wir fröhlich, und stapfen heiter summend zurück in unsere Ferienwohnung. Zwei Städter im Allgäu. Nach einem ausgiebigen Liederabend.

Wir werden noch andere Situationen wie diese erleben, in denen unsere Klischees und Befürchtungen auf echte Momente und wahre Begegnungen treffen. Und in denen wir nach und nach unsere Zurückhaltung ablegen. So etwa beim Fischertag in Memmingen. Oder beim Viehscheid in Pfronten. Man erlebt sich selbst in einer herzlichen Gemeinschaft anders. Und empfindet das Glück, sein Glück mit anderen teilen zu können.

„Viele Städter haben den Kontakt zur Natur verloren und zeigen sich von den Tieren und der Herzlichkeit der Menschen zutiefst berührt.“

Anja Kirig, Zukunftsforscherin

Bilder
Autor
Kontaktbild Susanne Baade und Dirk Lehmann

Susanne Baade und Dirk Lehmann

Im Expeditionsschiff in die Antarktis und per Helikopter über Australien, Wanderung zu einem Kloster in Nepal und Besuch im Luxushotels in Paris, Trekkings durch Kanada und Achtsamkeitsübungen im Allgäu – zu reisen, zu fotografieren, die Welt zu erzählen: Das ist unser Beruf, unsere Berufung. Lange haben wir als Redakteure namhafter Magazine im Hamburger Verlag Gruner+Jahr gearbeitet, seit einigen Jahren berichten wir nun für das Allgäu aus dem Allgäu. Hier haben wir besondere Menschen kennen gelernt, faszinierende Momente erlebt und eine Natur, die uns immer wieder begeistert. Wir sind dankbar für jedes dieser Abenteuer. Und dafür, dass Sie uns begleiten! Susanne&Dirk

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