Fehlender Titel

Das Gleichgewicht

Ich machte nichts weiter, außer dasitzen und beobachten. Ich blickte in die herrliche Landschaft mit ihren sanft geschwungenen, grünen Hügeln. Hier und dort entdeckte ich Spaziergänger und Radfahrer. Ich nahm mir vor, ebenso wie sie die Ruhe und Stille zu genießen, ganz verbunden mit der Natur.

Während ich die Menschen beobachtete, hörte ich wieder die leise Stimme des unsichtbaren Pfarrers, der mich auf den Glückswegen begleitete. „Kaum irgendein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage, ein fieberhaftes Hasten und Drängen aller im Kampfe um Erwerb und sichere Existenz“, flüsterte er. „Es ist kein Wunder, wenn Krankheiten so viele Opfer fordern.“ Mein Gott, dachte ich, wie Recht er doch hatte.

Gedankenverloren betrachtete ich mein Mobiltelefon und stellte es ab. Ich merkte, wie sich eine Erleichterung in meinem Innern verbreitete. Endlich war ich mal wieder für mich allein, nicht erreichbar, nicht zum Reagieren gezwungen. „Nicht etwa, dass die Errungenschaften unserer Zeit wieder geopfert werden müssten, aber es muss ein Ausgleich gefunden werden, um die überanstrengten Nerven zu stärken, ihre Kraft zu erhalten“, flüsterte mir die Stimme weiter zu.

Also wanderte ich durch die Straßen Bad Grönenbachs auf der Suche nach meinem Ausgleich. Und ich fand ihn genau hier, jenseits des Touristenrummels. Ich genoss Massagen und Anwendungen, die ich zuvor noch nie probiert hatte, die meinem Körper Kraft gaben und meinen Geist entspannten. Die aus den Heilkräften der Natur entwickelt worden waren und mich daran erinnerten, wie wertvoll dieses Wissen war.

Ich besuchte Ausstellungen und Theateraufführungen, Konzerte und Kabarettabende und genoss es, an diesem Ort dem hektischen Wesen des Alltags entfliehen zu können, mein Gleichgewicht zu finden. Ich hatte mich ein Stück entfernt von dem, was mich noch vor Kurzem gefangen hielt – und doch hatte ich nicht die Balance verloren.

 

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