Wo Geschichten liegen: Spaziergang über den Alten Friedhof Lindenbergs

Selten führen mich Wanderungen über Friedhöfe: bei Lindenberg mache ich aber gerne eine Ausnahme. Der Aureliusfriedhof ist quasi, das zu Stein gewordene Geschichtsbuch der Stadt. Lindenberg galt, lange vor Beginn seiner gewinnbringenden Hutfabrikation, als „ärmstes Dorf auf weiter Flur“. Die Wirtschafskraft im Ort war vor allem durch die Landwirtschaft geprägt; erst der Pferdehandel mit Italien brachte das Dorf aus seiner finanziellen Misere heraus. Im heißen Italien erlernten die deutschen Knechte dann im 17. Jahrhundert das Flechten von Strohhüten und brachten das Wissen mit nach Hause. Der Anfang der erfolgreichen Hutdynastie.

An diese Historie erinnern heute noch die kunstvollen Grab- und Denkmäler einstiger Pferdehändler, Hutfabrikanten und Bankiers. Auch drei ehemalige Reichsminister der Weimarer Republik sind auf dem Alten Friedhof bestattet. Die drei Nadeln auf dem Trilogieplatz am Eingang zum Friedhof erzählen drei prägnante Geschichten zu der hier bestatteten Prominenz.

Und keine Angst! Auch wenn es sich anfangs etwas makaber anhören sollte, über einen Friedhof zu spazieren: das Areal ist bewusst parkähnlich angelegt und bietet mit vielen Sonnenbänken, Wasserspielen und landschaftsgärtnerischen Objekten einen idyllischen Platz für eine kleine Ruhepause.

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Autor
© Sabine Weisel

Sabine Weisel

Die Reisenomadin

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