Sebastian Kneipp

„Sebastian wer?“ fragt die junge Kollegin im Hamburger Redaktionsbüro. Und ruhig hört sie sich die Kurzfassung vom Leben und Wirken des einst berühmten Deutschen an: Vor fast 200 Jahren geboren, wächst Kneipp in Armut auf und erhält die Chance, Theologie zu studieren. Fast 30-jährig erkrankt er an Tuberkulose, er heilt sich durch Bäder in der Donau. Es ist die Basis der Wasserbäder. Auch andere lassen sich so behandeln. Selbst als Pfarrer bietet er seine Wasserbäder weiter an und wird wegen Kurpfuscherei angeklagt.

Doch die Menschen danken dem Pfarrer Kneipp, dass er sie geheilt habe, etwa von der Cholera. Als Hausgeistlicher kommt er nach Wörishofen und macht den Ort quasi im Alleingang zum Kurort, der tausende Menschen anzieht, selbst der Papst sucht Kneipp’sche Hilfe. Und bald ist er der bekannteste Deutsche neben Bismarck. „Bismarck?“, fragt die junge Kollegin jetzt und lacht sofort los, damit wir den Scherz erkennen. „Aber jetzt mal im Ernst: Hat Kneipp uns heute noch was zu sagen?“

Seit Kneipps Tod vor rund 120 Jahren hat sich viel geändert. Landflucht. Industrialisierung. Kriege. Wirtschaftswunder. Sozialgesetzgebung. Das Entstehen einer präventiven Gesundheitspolitik, die zur Basis des Kurwesens wird. Orte entwickelten sich zu Bädern. Ihr Dresscode: Bademantel. Die Stimmung: gedämpft (außer bei der Schroth-Kur). Das Ende der Kur-Verordnung bedeutet eine wirtschaftliche Herausforderung. Der Wellness-Boom setzt neue Prioritäten, Seele baumeln lassen statt Therapie. Hot Stone statt kalte Güsse. Tja, was hat uns Kneipp noch zu sagen?