Mein Fahrrad-Navi, so sagte man mir, könne ich zu Hause lassen

Alle Strecken seien gut ausgeschildert. Und so fahren wir am Grüntensee vorbei, folgen dem Flüsschen Wertach, bis wir den gleichnamigen Ort erreichen. Von da geht es über stille Straßen mit extrem wenig Verkehr und kaum nennenswerten Steigungen durch einen milden Herbsttag. Wir werden oft gegrüßt, lächeln zurück, genießen die Tour, bis wir kurz vor Jungholz in ein Dilemma geraten: Die ruhige Nebenstraße endet, wir folgen der Hauptstraße, bis uns plötzlich ein Radfahrer-verboten-Schild die Weiterfahrt verwehrt. Nur ein Waldweg neben der Straße steht auch Radlern zur Verfügung. Für Susanne auf dem Mountainbike kein Problem. Für mich und den nervösen Orbea-Racer keine Option. Und wir fahren ein paar verbotene Kilometer. Bis wir endlich die Bundesstraße verlassen können.

Der Abstecher durch Jungholz hat es in sich. Beim Anstieg zum Dorf erfahre ich die erste Demütigung: Während ich mich keuchend im Wiegetritt hinaufkämpfe, surrt Susanne silberhell kichernd an mir vorbei. Und wartet oben – mit sichtbarem Triumph im Gesicht. Sie wird noch weitere Momente dieser Art haben. Bis wir vor einem ungewöhnlichen Warnschild stranden: Achtung, 20 Prozent Steigung!