Für uns beginnt er mit einem Blick von oben

Immer für alle Bürger geöffnet ist das Rathaus der ausnehmend hübschen Stadt. Wir steigen Stiegen durch das verwinkelte Bauwerk, dessen Ursprünge ins 15. Jahrhundert reichen, das aber im 18. Jahrhundert barock umgebaut wurde. Und dann stehen wir in einem großen Saal, dessen Dielen so krumm und dessen Wände so aus dem Lot laufen, dass sich der Raum vor unseren Augen zu verwinden scheint. Wir tänzeln an das Fenster, sehen hinab auf das Markttreiben – und weit in die Zeit. Seit 1150 gibt es den Wochenmarkt von Wangen, die Gemeinde sah darin vor allem eine Einnahmequelle, um Zölle zu erheben, Standgebühren zu verlangen. Im 13. Jahrhundert hat man den Markttag extra verlegt, vom Freitag, der unglücklicherweise ein Fastentag war, so dass sich die Marktbesucher zurück halten mussten, auf den Mittwoch. Und es gelingt: Der Markt von Wangen ist eine Institution in der Region. Seit mehr als 800 Jahren.

Auf dem Weg nach unten, treppab und quer und hier entlang, begegnen wir Michael Lang, dem Oberbürgermeister von Wangen. Äh, kurze Begrüßung zwischen dunkel vertäfelten Wänden. Seit 2001 steht der parteilose Lang an der Spitze der Gemeinde, mit überragender Mehrheit wurde er wieder gewählt. Ein Mann Ende 40, der jünger und dynamisch wirkt, wenig dem Politiker-Klischee entspricht. Er empfiehlt einen Besuch beim Fidelis-Bäck, wo es die berühmten Seelen gibt, und der historischen Badstube, weil die einen guten Einblick in die Lebenswirklichkeit des Mittelalters vermittelt. Und wir sollten auf eine Besonderheit des Marktes achten – das „Schwätzle“. Dann verabschiedet er sich, er müsse eine Rede vorbereiten.