Blogbeitrag von Anne-Sophie Weisenbach

Ein Fell für alle Fälle: Wenn Klausen die bösen Geister vertreiben

Die furchterregenden und zottigen Kreaturen stürmen jedes Jahr in tiefschwarzer Nacht auf den Marienplatz in Immenstadt.

Ihre Hörner ragen weit über die Köpfe der Zuschauer hinaus. Ihre großen Schellen klingen ohrenbetäubend durch die Altstadt. Nach einem alten Allgäuer Brauch vertreiben sie mit langen Ruten am 5. und 6. Dezember die bösen Geister, die in den langen Nächten umher gehen: die Klausen.

„Kloase“: So werden die Junggesellen im Fellgewand im Allgäuer Dialekt genannt, die ab ihrem 16. Geburtstag diese Tradition in der Alpenregion aufrechterhalten. Die Maskerade ist für sie mehr als nur Spektakel. „Es ist für uns eine Sache der Heimatverbundenheit. Wir sind stolz, etwas weiterzuführen, was schon seit Generationen in unseren Familien wichtig war“, sagt Oberklaus Hans-Peter Neuss. Für ihn und die anderen Klausen ist die Veranstaltung ein wichtiger Teil der heimischen Kultur. Seit 16 Jahren ist der 31-jährige Immenstädter Teil des Klausentreibens, das in zahlreichen Gemeinden im südlichen Oberallgäu jährlich stattfindet.

Der Hintergrund der Veranstaltung findet sich in grauer Vorzeit: Geister und Dämonen, die es auf die Einwohner abgesehen haben, treiben sich in langen Winternächten herum, wurde früher gemunkelt. Sie zu vertreiben ist die Aufgabe der Klausen. Mit einer langen Rute und ihrem furchterregenden Anblick treten sie ihnen in der Altstadt entgegen. „Auch manch  vorwitziger Jugendlicher, der am Abend auf den Gassen unterwegs ist, bekommt da sein Fett ab“, erzählt Neuss schmunzelnd. Nach einem (mehr oder weniger) sanften Rutenstreichler stellen die Buben und Mädchen ihre gute Gesinnung mit einem lauten „Vater Unser“ unter Beweis.

Weit über 100 Klausen unterwegs

2004 hat Neuss gemeinsam mit seinen Mitstreitern einen eigenen Verein gegründet. Weit über 100 Klausen sammeln sich jährlich, um die alte Tradition fortzuführen und die Veranstaltung wieder aufleben zu lassen. „Sie ist sie ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte“, sagt Neuss.

Strenge Regeln für die Klausen

Die Regeln für die Oberallgäuer Teilnehmer sind streng. Ein Klaus muss seinen gesamten Körper in Fell hüllen, braucht eine große Schelle und darf für seine Kopfbedeckung nur Hörner heimischer Tiere verwenden. Bis zu 60 Kilo wiegt ein einziges Gewand. Der Helm des Klausen-Chefs Neuss hat allein ein Gewicht von 26 Kilo. Bis zu 200 Stunden Arbeit stecken in dem Gewand.

Über das Ergebnis freuen sich Einheimische und Urlauber. Rund 2500 Besucher bestaunen in Immenstadt jährlich den Auftritt der Männer. Bengalische Feuer und weihnachtliche Beleuchtung stimmen die Besucher an den beiden Abenden auf das Treiben ein. Sie warten am Marienplatz auf den Startschuss der Traditionsveranstaltung. Mit dem ersten Erklingen der Schellen macht sich aber nicht nur die wilde Klausen-Horde bemerkbar sondern auch die Gänshaut.

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Autor

Anne-Sophie Weisenbach

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