Hilfsbereitschaft ist ein großes Thema dieser Tage. Und immer geht es dabei auch um ihren Wert. Ist sie grenzenlos? Oder gar selbstlos? Hat sie einen Preis? Was uns heute scheint wie eine zentrale Frage der westlichen Zivilisation, hat die Menschen schon vor hunderten von Jahren bewegt. Doch im Mittelalter, jener Epoche, in der Leben und Tod eine enge Nachbarschaft pflegten, war man pragmatisch: All seiner weltlichen Güter hatte sich der zu entledigen, wer die Hilfsbereitschaft der Antoniter in Anspruch nehmen wollte. Zudem musste man ewige Keuschheit schwören, pro Tag zwölf „Vater unser“ beten, zwölf „Ave Maria“ und den Orden als Erben einsetzen. Kaum vorzustellen, wie heutzutage die Reaktion ausfiele, würde ein Krankenhaus oder Hospiz ein ähnliches Geschäftsmodell einführen.

Das muss man wissen, wenn man dieses Gebäude in der Mitte von Memmingen betritt. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein hochherrschaftliches Stadt-Palais, war einst ein Orden. Allerdings hatten sich die Antoniter spezialisiert. Ihre Pflege galt vor allem denen, die an einer besonderen Pilzvergiftung litten: Die Mutterkorn-Erkrankung, im Volksmund einst auch Antoniusfeuer, medizinisch heute Ergotismus genannt, ist eine Folge des Genusses mit pilz-befallenen Getreides. Darmkrämpfe, Halluzinationen, Durchblutungsstörungen in den Fingern und Zehen, die oft absterben und deshalb amputiert werden müssen. Eine Operation, die im Mittelalter durchaus lebensbedrohlich war.