Das Reich der Gletscher

Die Geschichte der Wandertrilogie Allgäu

Das Allgäu hat seine landschaftliche Vielfalt den Gletschern der Eiszeit zu verdanken, genauer gesagt: dem Illergletscher, dem Lechgletscher und dem Rheingletscher. Ihr Geschiebe und ihr Wasser formten die Hügel und Täler der Region. Sie hinterließen Flüsse und Moore, Toteislöcher, Moränen, Drumlins und eiszeitliche Seen. Das Wasser und der Anschluss an die Alpen mit der Handelsstraße Via Claudia Augusta sorgten dafür, dass auch die Kulturlandschaft erblühte.

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Das, was ich mir nun vorstellte, hat nie ein menschliches Auge gesehen, so viele Jahre sind seither vergangen. Aber an diesen Orten kann ich nicht anders, als die Augen zu schließen und mir vorzustellen, wie all diese Schönheit entstanden sein kann. Es gab eine Zeit, in der es nichts gab, außer das gewaltige Eis der Gletscher. Und nur die Luft verriet irgendwann, dass selbst dieses Eis mit seiner Urkraft endlich war.

Das Ende war dann ein langsamer Prozess, der seine mächtigen Spuren hinterließ. Stück für Stück sah ich die Gletscher weichen, während sie gleichzeitig die Landschaft formten. Hügel für Hügel, Tal für Tal, See für See und Moor für Moor. Nun bewacht vom Meisterwerk der Naturgeschichte, den steinernen Gebirgsriesen. Dazwischen hinterließ das Eis seine Urkraft und damit die Grundlage für alles, was dann folgte: das Wasser.

 

Ein vollkommener Zustand, unberührt und voller Energie – so musste es gewesen sein, dachte ich. Dann kam das Leben hinzu. Langsam fügte es sich in diese Landschaft zwischen den Hügeln und Seen und zu den Füßen der Berge ein. Das Wasser wies den Weg. Auch diese Tage sind längst vergangen, doch die leisen Stimmen der fernen Zeugen sind noch zu hören.

Sie erzählen mir Geschichten von ihrem harten Leben, das sie liebten. Geprägt von einem tiefen Respekt vor der Natur, ihren Gesetzen und ihrer Kraft. Vom lebenslangen Lernen von der Natur. Und von der gemeinsamen Entwicklung von Mensch und Natur.
Als ich die Augen wieder öffnete, sah ich das Jetzt mit dem Wissen des Vergangenen. Vieles hat sich verändert, aber mit dem Wissen um die Verantwortung für die Schönheit, die der Gletscher hinterließ. Das Leben hat sich manifestiert in den Städten, Dörfern und Weilern. Es ist gewachsen zu Burgen, Schlössern und Basiliken. Und doch bewachen immer noch die Gebirgsriesen das Erbe des Eises, das Grün der Hügel und das Blau der Seen und Flüsse.