Schneeschuhwandern im Allgäu

Das musst Du übers Schneeschuhwandern wissen

Schneeschuhwandern gewinnt immer mehr Fans in der Region.

Die herrliche Winterlandschaft zu Fuß erkunden, ist ein wunderbares Erlebnis, findet nicht nur unser Autor Uli Weigel. Er beschreibt, auf was es bei Technik und Material ankommt. Wir wünschen eine schöne Wanderung!

Der Atem dampft. Die eisige Luft sticht wie mit kleinen Nadeln in Gesicht. Der Weg führt durch glitzernde Schneewelten – mitten hinein in unberührte Natur.
Winter-Landschaften, die sich nicht auf geräumten Wegen oder per Bergbahn erreichen lassen, waren lange vor allem Skitourengehern vorbehalten.

Doch längst haben Schneeschuhe ihr Exotendasein verloren, liegen griffbereit in vielen Kellern und Garagen. Auch die Zahl der Verleiher steigt. Wer sich selbst Schneeschuhe kaufen will, steht vor der Qual der Wahl: Reicht ein preisgünstiges Paar, wie es sie manchmal sogar im Discounter und der Produkt-Ecke einer Kaffee-Kette geben kann? Oder muss es hochwertiger sein?

 

Wo Unterschiede sind, haben wir anhand verschiedener Schneeschuhe getestet. Dabei geht es nicht um den Vergleich verschiedener Marken (da gibt es bereits genügend im Internet), sondern um die Frage, welche Ausstattung wichtig  sind. Und das lässt sich gut aufzeigen, bleibt man weitgehend innerhalb einer Marke. Für unseren Test haben wir uns auf den 1906 gegründeten amerikanischen Hersteller Tubbs Snowshoes konzentriert – die Alpinmodelle Flex ALP und Flex VRT sowie die etwas einfacheren Tourenvarianten Flex TRK und Flex RDG.

Vorneweg:
Im Schnee laufen lässt es sich mit jedem Schneeschuh – nur eben unterschiedlich gut und lange. Eine Frage der Qualität und Ausstattung. Worauf also achtet man beim Schneeschuh-Kauf?

 

Bodenhaftung:
Damit man auf schneeglattem oder eisigem Untergrund  gut vorankommt, ist ein Blick auf die Unterseite der Schneeschuhe wichtig. Metallzähne und -krallen sind eine gute Sache, um nicht ins Rutschen zu kommen. Der Unterschied: Gerade im unteren Preissegment gibt es Schneeschuhe, die nur einige spikeartige Spitzen oder Zähnchen haben. Die auch nicht besonders langlebig sein müssen, sobald es über harte Flächen geht. Eine robuste Alternative bieten die getesteten Tubbs-Kunststoff-Schneeschuhe: Sie haben unter der Schuhbindung kräftige Front- und Seitenzacken aus Carbonstahl, die ordentlich Biss geben. Die Tourenmodelle haben dabei vier Zacken mit rund drei cm Tiefe, die Alpinmodelle sechs Zacken, die noch etwas länger und spitzer sind.

Seitenhalt:
Spannend wird es, will man auf eher rutschigen Flächen wie Schnee-Harsch einen steileren Hang queren. Alle getesteten Tubbs-Modelle haben zusätzlich weit außenliegende, gezahnte Seitenschienen aus Carbonstahl. Damit verliert man auch beim Queren nicht den Halt, driftet also nicht bei jedem Schritt seitlich ab. Die Alpinmodelle sind noch etwas stärker gezahnt und haben zusätzliche kurze Profile am Heck. Zum Vergleich: Beim manchem einfachen Schneeschuh muss diese Funktion allein der Kunststoffrahmen übernehmen, was längere Querungen schon zäh macht.
Steighilfe:
Der mit einem Griff unter der Ferse hochklappbare Bügel ist mehr als „nice to have“. Die Steighilfe erleichtert das steile Bergaufgehen ungemein. Man spart Kraft, da die Ferse höher positioniert ist und nicht bei jedem Schritt ganz zurück sinkt. In anderen Worten: Schneeschuhe mit Steighilfe passen den Fuß besser der Hangneigung an. Um wieviel Höhe es dabei geht? Bei den Tubbs-Alpinmodellen sind es um die fünf Zentimeter, bei den Tourenmodellen vier. Wer nur in der Ebene läuft, kann darauf verzichten. Ansonsten: Eine Steighilfe nützt oft und schadet nicht.

Bindung:
Wer nur etwas stapfen will, kommt mit einem einfachen Modell zurecht, bei dem der Schuh fest auf dem Schneeschuh aufliegt. Komfortabler ist eine bewegliche Auflage, die den Fuß natürlich abrollen lässt. Auch das haben alle getesteten Kunststoff-Modelle; quer zur Laufrichtung ist ihre Bindung nicht beweglich gelagert. Unterschiedlich ist nur ihr eigentlicher Verschluss: Beim Flex ALP wird ein Kunststoffriemen eingehakt, um die Ferse zu fixieren. Am Vorderfuß zieht man einfach zwei Textilriemen an, die sich ruckzuck lösen lassen. Der baugleiche Flex VRT unterscheidet sich nur in zwei Dingen: Er hat ein BOA-Verschlusssystem, bei dem man an einem Drehrad alles in einem Handgriff erledigt – und er ist teurer. Ähnlich ist es bei den zwei einfacheren Modellen: Der Flex RDG hat eine BOA-Bindung. Der günstigere (und baugleiche) Flex TRK setzt an der Ferse auf den Kunststoffriemen und hat am Vorderfuß einen Textilriemen, der allerdings ein bisschen fummliger ist als beim Flex Alp.

Größe:
Ein Zwei-Meter-Mann mit 100 Kilo kommt im tiefen Schnee auf einem Kinder-Modell nicht wirklich voran.  Andererseits: Warum sollte sich eine Frau mit einem großen Schneeschuh für schwere Männer plagen. Also: Beim Kauf auf Größenangaben der Hersteller achten. Beim  Flex TRK und den Flex RDG gibt es jeweils einen Damen-Schneeschuh (20 x 56 cm) und einen für Herren (20 x 61 cm). Die für alpine Touren ausgelegten Modell Flex ALP und Flex VRT gibt zusätzlich jeweils in einer XL-Version (21 x 71 cm). Klar: Je größer der Schneeschuh, desto besser kommt er auch in tiefem Schnee zurecht. Allerdings hängst es ebenso von der Schneekonsistenz ab, wie tief man sinkt.

Alu oder Kunststoff:
Moderne Kunststoff-Schneeschuhe ermöglichen eine robuste und schmale Rahmenform, an der stabile Zacken und gezahnte Seitenschienen auch auf Harsch festen Halt bieten. Modelle mit Aluminium-Rahmen und reißfester Bespannung sind tendenziell etwas rutschiger, haben dafür aber meist eine etwas bessere Dämpfung – man geht also ein bisschen weicher. Wer mit Alu-Schneeschuhen in die Berge will, benötigt aber hochwertige Modelle mit Krallen, Seitenschienen und Steigbügeln. Es gibt auch Varianten, bei denen der Alu-Rahmen nicht aus einem runden Rohr besteht, sondern aus einem eckigen – was beim Queren Halt gibt. Letztlich hängt die Frage Alu oder Kunststoff mit vom eigenen Geschmack ab.

Fazit:
Wer nur im Flachland und auf präparierten Wegen wandern will, kann sich alles Mögliche unter den Schuh binden. Wer auf Billigprodukte setzt, wird schnell an Grenzen stoßen. Zusatzfunktionen bringen mehr Komfort,  Spaß und Sicherheit. Selbst für anspruchsvolleres Gelände und Wanderberge wie das Riedberger Horn reichen Schneeschuhe der Mittelklasse (wie Flex TRK und Flex RDG) völlig aus. Im alpinen Bereich, wo maximaler Halt wichtig ist, sind Sportgeräte wie der Flex ALP und der Flex VRT die bessere Lösung. Die „empfohlenen Verkaufspreise“ liegen für die vier beschriebenen Tubbs-Modelle zwischen 159,90  und 259,90 Euro. Im Handel sind sie teils aber auch etwas günstiger zu haben. Zum Vergleich: Billig-Schneeschuhe gibt es bereits ab etwa 40 bis 50 Euro. Frage ist, wieviel Spaß man mit ihnen wirklich hat – und wie lange. Weil alles auch eine Frage des Geldbeutels ist, bietet sich für Einsteiger neben der Beratung im Fachhandel der praktische Test an. Bei Schneeschuh-Verleihern kann man zumeist an einfachen Modellen schnuppern, in Testcentern oft auch hochwertigere Modelle verschiedener Hersteller ausprobieren. Manche rechnen die Leihgebühr übrigens auf einen späteren Kauf an.  Testen kann man zum Beispiel beim Schneeschuh-Center Immenstadt:  www.schneeschuhwandern-allgaeu.de

Tipps für Einsteiger

Eigentlich braucht’s nicht viel für eine Schneeschuh-Tour: Schneeschuhe, Stöcke – und dann loslaufen. Bei den Stöcken sind ausziehbare Teleskopmodelle praktischer, weil man sie dem unterschiedlichen Gelände anpassen kann. Viele solcher Wanderstöcke kann man mit größeren Tellern einfach auf Winter umrüsten.

Warme Bergschuhe oder Winterstiefel mit gutem Halt – möglichst wasserdicht und atmungsaktiv – sind das optimale Schuhwerk.

Kleidung wie im Winter üblich: Mütze, Handschuhe und warme Kleidung, am besten im Zwiebelprinzip, damit man sich je nach Anstrengung anpassen kann. Bei tiefem Schnee sind auch Gamaschen nützlich.

Schneeschuh-Touren sind je nach Anstieg, Länge und eigener Kondition schweißtreibend. Also: genug zum Trinken mitnehmen und anfangs keine zu lange Tour angehen.


Im alpinen Gelände achtet man unbedingt auf Lawinensituation und Wetter. Auch die übliche Lawinen-Schutzausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) gehört ins Gepäck.

 

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