Ich weiß nicht, ob ich vor meiner Reise in diese schöne Kleinstadt in bayerisch Schwaben zweifelsfrei hätte sagen können, wo sie liegt. Vielleicht nicht. Jetzt stehe ich hier oben und versuche mich zu orientieren. Da das Tor, durch das ich gekommen bin. Zu Teilen steht die Stadtmauer noch, eine ihrer wichtigsten Eintrittspforten ist das Obere Tor mit seinen Erkertürmchen und der “Arme-Sünder”-Glocke, die bei öffentlichen Hinrichtungen läutete. Wie das von statten ging, erzählt der Stich eines Augsburger Künstlers, der beschreibt wie im Jahr 1776 die “boßhaffte Weibs Persohn Maria Magdalena Fetzin von Kastell” ihr Leben lassen musste. Sie hatte in ihrer “hartneckigkeit auch harte Gefangennschafft” überstanden und ist “durch das Schwerd unbußfertig hingerichtet worden”.

Gewalt gegen Frauen ist ein Dauerthema der dunklen Jahre, die erst mit dem Beginn des Zeitalters der Aufklärung enden. Erst ab dann kommt es immer seltener zu den unseligen Hexenprozessen mit ihren bestialischen Foltermethoden, die “peinliche Befragung” genannt wurden oder gar “Gottesurteil”. Die Malefizperson Maria Magdalena Fetzin von Kastell war allerdings nicht als Hexe hingerichtet worden. Man warf ihr vielmehr vor, über “viele Jahr Manskleider getragen” und “nebst einer grosen Bande viel und gewaltsamme Mord und Diebstahl” begangen zu haben.