Mehr als eine Stunde streifen wir mit Hans durch die Wiesen.

Mehr als eine Stunde streifen wir mit Hans durch die Wiesen. Wir pflücken Hopfenklee und Knöterich, Blutwurz und Storchenschnabel, Brennnessel und Minze. Wir lernen, dass alles, was hier wächst, essbar ist. Oder eine heilende Wirkung hat. Und während wir durch die Gräser eines ganz gewöhnlichen Hochmoors bei Oberjoch schnüren, verwandelt sich die Wiese in eine Speisekammer. Wie gern würden wir auch all diese Pflanzen benennen können. Doch so sehr wir uns mühen, schon bald purzeln Namen und Blüten und Blattformen in unseren Köpfen durcheinander. Wir stopfen alle möglichen Pflanzen in das uns auf diese Exkursion mitgegebene Plastiktütchen – in der Hoffnung, dass bei der Lese die falschen ins Kröpfchen kommen.

Und die guten ins Töpfchen. Diese Wanderung dient nicht nur der Bildung, sondern der Ernährung. Koch Roman Beer erwartet uns in der Küche, um aus den Kräutern ein Süppchen zu kochen. Zusammen mit Hans sortiert er die Ernte. Dann hackt er eine Charlotte, brät sie in Öl an. Eine geachtelte Kartoffel hinzu. Salz, Zucker. Den Fond mit Weißwein aufgießen. Milch und Sahne dazu. Einmal aufkochen. Ein wenig abkühlen lassen, denn die ätherischen Öle in den Kräutern entfalten sich bei Temperaturen zwischen 40 und 60 Grad am besten. Jetzt kommt alles in den großen Mixer. Das weiße Sahnesüppchen wird zartgrün. Ein großartiger Duft breitet sich aus. Später sitzen wir da, löffeln, was wir gepflückt haben. Und für einen Moment fühlen wir uns wie Selbstversorger.