Handwerk mag einen goldenen Boden haben. Aber das Handwerk hat es auch nicht leicht. So zählten die Glasmacher einst zu den Königen aller Handwerkszünfte. Sie verdienten viel, hatten ein hohes Ansehen und waren berüchtigt für ihre Selbstherrlichkeit. Die Glasbläsermühle in Schmidsfelden im Allgäu wurde 1825 eröffnet. In vielen Orten muss es Betriebe wie diesen gegeben haben. 1898 wurde dieser wieder geschlossen. Fernab von Bodenschätzen, Brennstoffen und Eisenbahnlinien konnte man nicht bestehen gegen die großen Unternehmen, die die Industrialisierung im Rheinland und in Sachsen hervorgebracht hatte. Einhundert Jahre später besann man sich des Handwerks im Weiler bei Leutkirch und gründete ein Museumsdorf. Um späteren Generationen ein Bild davon vermitteln zu können, was für coole Dinge die Menschen hier einst vollbrachten.

Die meisten Häuser Schmidfeldens dienen dazu, diese Geschichte zu erzählen. Wir stromern durch ein weiteres Museum, betrachten das einstige Herrenhaus ganz am Rande des Dorfes. Ein Blick in die Ferne. Die Sonne scheint. Vögel zwitschern. In einem Zwetschgenbaum brummen Insekten. Der wunderbar glatte Asphalt eines Radweg reflektiert die Wärme dieses Spätsommertages. Der Weg schwingt sich von hier aus auf in die Ferne – bis nach Ravensburg. Wir kehren zurück in die Glashütte und treffen Stefan Michaelis. Er ist der Inhaber und erzählt von den Anstrengungen, die es bedeutet, heute so einen Ort am Leben zu halten. Auf die Erfolgsspur sei man gekommen mit Kunsthandwerk, Gartenobjekten, Schmuckglas. Die Gäste würde die bunten Gläser lieben.