Die Kraft des Moores

Moorbad

Das Moor ist eine typische Kulturlandschaft des Allgäus. Wer ihre Kraft und schlichte Schönheit erleben will, dem empfehlen wir einen Besuch im Wurzacher Ried, es ist das größte, noch intakte Hochmoor Europas.

Und ein Ort, an dem man die wohltuende Kraft dieser besonderen Erden spüren kann. Dafür wird Moor gereinigt, zerkleinert, erwärmt und in einen Holzzuber eingelassen. In den steigt man ein – für ein besonderes Bad heißer Schwerelosigkeit. Doch vorher muss man noch die Lizenz zum Schwitzen zeigen…

„Als erstes muss ich Ihren Moor-Führerschein sehen“, sagt der Therapeut im Kurzentrum am Reischberg in Bad Wurzach. Er lacht über den kleinen Scherz. Denn selbstverständlich gibt es keine solche Lizenz. Und doch ist ein Arztbesuch obligatorisch, bevor man sich in den Holzzuber legen darf. Kreislauf und Blutdruck müssen stimmen.

Denn das Moor, das macht was mit einem. Und wer das leichthin abtut, wird staunen über die Kraft einer mystisch-mythischen Natur. Damit man in ihr baden kann, wird das Moor erst gereinigt, große Steine und Äste sortiert man aus. Dann wird das Moor fein gemahlen, damit es nicht piekst, verdünnt und schließlich erwärmt. 38 Grad warm pladdert es in einen großen Holzzuber.

Man zieht einen Einmalslip an und klettert in die Wanne. Der Bademeister gibt die letzten Infos. Dass man maximal 20 Minuten in Moor bleiben dürfe. Dass das Bad einem künstlichen Fieber gleiche, anders gesagt: Es wird warm, sehr warm. Und dass man sich nicht scheuen dürfe, den Notaus-Schalter zu betätigen, falls es zu anstrengend wird.

Dann sitzt man da allein im Raum. Oder besser man schwebt im Raum. Denn das ist das erste Gefühl, dass sich im Moorbad einstellt – eine unglaubliche Leichtigkeit. Das Moor trägt einen, nimmt nicht nur das Körpergewicht, sondern auch manche Last von den Schultern. Und es beginnt seine Wärmkraft auszuspielen.

Doch das sind nur die spürbaren Auswirkungen des Moores. Dessen therapeutische Kraft ist seit altersher bekannt: Das Moor ist gut für die Haut, für die Gelenke und bei Entzündungen. Und es fühlt sich an wie ein künstliches Fieber. Beim ersten Moorbad drücken viele den Notausschalter.

Egal ob nach 15 oder 20 Minuten – wenn das Moor abgelassen wird, fühlt man sich plötzlich wahnsinnig schwer, wahnsinnig müde. Und sehr, sehr wohl. Der Bademeister spritzt einen mit warmem Wasser ab. Dann darf man sich, in Decken gehüllt, aufs Bett legen. Und fällt in einen unglaublich traumreichen Schlaf.

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