Naturheilverfahren im Allgäu

Elementares KNEIPPEN

Mit der Gießkanne: Sebastian Kneipp (1821-1897) verabreichte sich kalte Güsse gegen seine Lungenerkrankung und stieg im Winter, wenn auch nur kurz, in die eisige Donau. Das half. Der Sohn armer Weber aus dem Allgäu wurde gesund.

Von der Kirche misstrauisch beäugt, behandelte der angehende Pfarrer Kneipp in Wörishofen demokratisch Bäuerinnen wie Adelige. Ihn auf einen Wechselduschen-Guru zu reduzieren, der seine Patienten zu nachtschlafender Zeit für kalte Waschungen aus dem Bett trieb, wäre fatal. Bis heute waten seine Fans im Storchengang durch Dorfbäche oder eigens dafür geschaffene Wasserbecken. Seit 2016 gehört das Kneippen zum Immatriellen Kulturerbe der Unesco.

Kneipps ganzheitliche Gesundheitslehre fußt auf den fünf Elementen Wasser, Bewegung, Heilkräuter, Ernährung und Lebensordnung. „Um gesund zu bleiben, muss sich der Mensch bewegen, schwitzen und soll das Wasser in seiner mildesten Form gebrauchen“, wusste der berühmte Bademeister bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Außerdem gehört ein Wechselspiel von Aktivität und Ruhe für mehr Gelassenheit dazu. Frisch zubereitete Vollwertkost und Heilpflanzen in Form von duftenden Tees, Badezusätzen oder Salben zielen auf eine sanfte Wirkung.

„Vergesst mir die Seele nicht.“ Das Leben in Ordung zu bringen, diese fünfte Säule des Modells Kneipp erwischt den Städter mit seinem durchgetakteten Jahresplan kalt wie eine Wasseranwendung: Innere Ruhe und Zufriedenheit sind das Ziel. Heute würde man von Work-Life-Balance sprechen, wenn es gelingt, Körper, Geist und Seele durch Meditation, Atemtraining oder autogenes Training in Einklang zu bringen. 

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