„Glas machen“, sagt Beate Wirth nun, während sie konzentriert durch ihre dicke schwarze Brille in den Ofen schaut, in dem es glüht wie nur die Sonne glühen kann, „ist wie Akrobatik: Man muss genau im richtigen Moment alles richtig machen.“ Einen Moment noch dreht sie die lange Eisenstange in ihren Händen, dann stemmt sie mit Schwung den Glasrohling aus dem Ofen. Formt mit einem groben Holzlöffel. Kühlt mit Wasser. Bis ein runder Knubbel entsteht. Zurück in den Ofen damit. Warten. Beobachten. Zeit nur für einen kurzen Satz: „Wenn es nicht klappt, ins Altglas damit.“ Wieder öffnet sie den Ofen, schwingt das Glas heraus und bläst in die Eisenstange. Dreht. Bläst. Dreht. Der glühende Knubbel verwandelt sich in einen strahlenden Ballon. Wird gekühlt und dann mit martialisch aussehenden Werkzeugen abgeflacht.

Eine Schulklasse kommt heute zu Besuch in die hohe alte Scheune mit der modernen Glasmanufaktur. Bis dahin muss Beate Wirth noch ein paar bunte Scheiben produzieren. Es ist die Bestellung einer Kundin, die sich aus dem Glas ein Türfenster fassen lassen will. Und während die Glasmacherin sehr konzentriert ihrer Arbeit nachgeht, eine grün-bunte Scheibe nach der nächsten produziert, sehen wir uns in der großen Scheune um und erkunden das Dorf. Rund ein Dutzend Gebäude machen diesen Ort aus zwischen Feldern und Hainen, nahe der munter dahin fließenden Eschach und dem herzförmigen Emerlander Weiher. Ein Dorf aus einer anderen Zeit. Ein Museumsdorf. Und würde man sich hier an diesem Ort nicht engagieren, so wäre bald schon vergessen, dass dies hier einst eine besondere Handwerkskunst lebte.