Sie sollen ihn nahe der Allgäuer Gemeinde Burgberg gepackt haben, als er sich nachts ungeschützt auf der Straße herumtrieb. Bis ins 200 Kilometer entfernte Dinkelsbühl hätten sie den Mann getragen und dort auf einen Misthaufen geworfen, besagt eine der Legenden. Noch viele mehr ranken sich um die Geister, die in den Rauhnächten im Allgäu umherziehen sollen. Seit jeher regiert in den langen und dunklen Nächten zwischen Heilig Abend und Heilig Drei König die Furcht. Mit vielen Bräuchen schützen sich die Einheimischen noch heute vor dem wilden Heer, weiß Heimatforscher Jochen König.

„Unsere Vorfahren wussten die zwischen den Jahren häufig auftretenden Winterstürme nicht zu deuten“, erzählt der Referent der Hochschule Kempten. Der Schluss lag für sie nah, dass es böse Geister sein müssen, die dafür verantwortlich sind – etwa die Götter der Germanen oder andere dämonische Wesen, die in der Nacht durch die Luft rauschen.

Mit Krach und Rauch versuchten die Einheimischen den Geistern einen Schrecken einzujagen und sie damit zu vertreiben. „Daher kommt auch der Name der Nächte: Die heutigen Rauhnächte hießen ursprünglich Rauchnächte“, sagt der 74-jährige Kemptener mit einem Lächeln. „Bis heute werden auf vielen abgelegenen Höfen geweihte Kräuter im Haus angezündet.“ Betend ziehen die Einheimischen mit ihrem Räucherwerk durch das Haus. Die meiste Wirkung soll das Räuchern und Beten in der Nacht vor Heilig Drei König erzielen. Auch das Zünden von Raketen und Böllern sollte ursprünglich die Geister vertreiben, weiß der Experte.