Aus Tradition vermeiden viele Allgäuer noch bis heute, zwischen den Jahren frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen. „In den frisch gewaschenen Laken und Klamotten verfängt sich das umherziehende Geisterheer und nimmt nicht nur das Kleidungsstück sondern auch dessen Besitzer mit“, erklärt König das Tabu.

Auch die Zukunft lässt sich im Volksglauben in den zwölf besonderen Nächten vorhersagen. „Anhand von zwölf Zwiebeln wurde früher oft das Wetter prophezeit“, erzählt König. Die äußersten Schichten werden an Weihnachten in einer Reihe ausgelegt und mit Salz bestreut. Jede davon steht für einen Monat. Stand in einer an Heilig Drei König Wasser, verhieß das viel Niederschlag. „Eine andere Variante war die Orientierung am Wetter der Rauhnächte“, sagt König. Hat es etwa in der dritten Rauhnacht viel geregnet, haben sich die Menschen auf einen nassen März eingestellt. „Ich werde oft danach gefragt, noch viele Menschen glauben an eine der beiden Varianten, das Wetter für Bayern vorherzusagen.“

Ledige Mädchen sollen in den Rauhnächten sogar prophezeien können, wer ihr künftiger Ehemann wird. „Sie nehmen an Weihnachten vier Zwiebeln, die sie mit den Namen von vier heiratsfähigen Burschen versehen“, erzählt König. Anschließend müssen sie in den vier Ecken des Raumes ausgelegt werden. Die Zwiebel, die bis zum sechsten Januar ausgeschlagen hat, steht dem Glauben nach für den ersehnten Ehemann.

„Dann blieb nur noch zu hoffen, dass dieser in den Rauhnächten nicht schutzlos auf den Straßen umhergelaufen ist“, sagt König. Denn dann hätte ihn sich das wilde Geisterheer bereits geschnappt. Wahrscheinlich hätten die Mädchen ihn dann nur noch auf einem weit entfernten Misthaufen wiederfinden können.