Auch in unserem nächsten Etappenziel, der Stadt Isny, kommt trotz Regen keine Langeweile auf. Hier gibt`s Allgäuer Kultur- und Kirchengeschichte hautnah zu erleben… aber nicht zum Anfassen! Da passt unser Guide Hans Westhäuser ganz besonders auf. Er führt uns in die Prädikantenbibliothek in der Nikolaikirche. Hört sich etwas verstaubt an, ist aber unglaublich spannend. Prädikant, noch nie gehört? Ich ehrlich gesagt auch nicht. „Die evangelischen Prädikanten waren Hilfsprediger, die selbständig eigene Predigten verfassen ehrenamtlich frei verkündigen durften“ erklärt uns Westhäuser. In der  500 Jahre alte “Prädikantenbibliothek” in der Nikolaikirche bildeten sie sich weiter. Die Atmosphäre in dieser kleinen Kammer verzaubert. Ein altertümlicher Tisch mit schwerem Brokatteppich darauf, die Wände rundum bis zur Decke vollgestellt mit Büchern in alten ledernen Einbänden, durch die Fenster mit Butzenscheiben fällt ein seltsam  fahles Licht. Während Petrus draußen einen Junitag im Jahr 2015  kräftig verwässert, befinden wir uns plötzlich in einer anderen Welt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts in einem sehr trockenen Raum übrigens. Westhäuser holt ein Hand voll getrockneten Hopfens aus einem Bücherregal: „Hopfen reguliert die Luftfeuchtigkeit besser als alles andere und das immerhin schon seit 500 Jahren“, erzählt er. Unser gebildeter Guide zeigt uns alte Bibeln, die Ende des 12. Jahrhunderts mit Hand auf Pergament geschrieben wurden und mit  wunderschönen bunten und goldenen Zierbuchstaben verziert sind. Was das wohl für eine Arbeit war! Allein siebzig Original-Schriften Luthers stehen hier, eine Abendmahlschrift von Ulrich Zwingli mit eigenhändiger Widmung, aber auch Abhandlungen über Rechtswissenschaft, Geschichte und Geographie, wie ein Amsterdamer Weltatlas in Schweinsledereinband mit Goldpressung und Goldschnitt. Das älteste Buch hier ist 800 Jahre alt. Wahnsinn! Die Prädikantenbibliothek ist nicht nur an Regentagen einen Besuch wert, allerdings geht das nicht jeden Tag. Im Sommerhalbjahr (von Ostern bis 31. Oktober)  jeden Mittwoch um 10.30 Uhr, sowie jeden ersten Samstag im Monat um 15.30 Uhr. Treffpunkt: Nikolaikirche.